Fußball: Rapid im Schatten der Vergangenheit

Wien (APA) - Über Rapid legt sich der Schatten der Vergangenheit. Spätestens seit der 1:2-Heimniederlage am Samstag im Fußball-Bundesliga-Sc...

Wien (APA) - Über Rapid legt sich der Schatten der Vergangenheit. Spätestens seit der 1:2-Heimniederlage am Samstag im Fußball-Bundesliga-Schlager gegen Sturm Graz wächst die Angst vor einem neuerlichen sportlichen Desaster, wie man es in der Vorsaison erlebte. Und wie damals herrscht auch jetzt im Zusammenhang mit der sportlichen Talfahrt eine gewisse Ratlosigkeit.

Mittelfeldspieler Louis Schaub betrieb Ursachenforschung. „Die spielerischen Momente haben gefehlt, wir müssen mehr Chancen kreieren. Wir machen uns das Leben selbst schwer“, sagte der ÖFB-Teamspieler. Vergleiche zur Spielzeit 2016/17 wollte Schaub aber nicht ziehen. „Letztes Jahr waren wir spielerisch um einiges schlechter.“

Der baldige Jungvater ist derzeit weit von seiner Top-Form entfernt. Gleiches gilt auch für Kapitän Stefan Schwab, dem die Enttäuschung deutlich anzumerken war. „Eigentlich wollten wir eine Heimmacht werden, jetzt haben wir aus drei Heimspielen zwei Punkte geholt. Natürlich verliert man da Selbstvertrauen.“

Aus den jüngsten drei Liga-Partien holte Rapid gerade einmal einen Zähler, der Rückstand auf den makellosen Spitzenreiter Sturm Graz beträgt nach fünf Runden schon zehn Punkte. Dennoch übte sich Trainer Goran Djuricin in Zweckoptimismus. „Wenn ich keine Hoffnung mehr hätte, würde ich nicht da sitzen“, sagte der Wiener auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Angesichts der neuerlichen Krisensituation rief Djuricin zur Besonnenheit auf. „Wir müssen positiv in die Zukunft schauen und analytisch bleiben. Es bringt nichts, zu viel Emotionen reinzuschmeißen und alles zu hinterfragen. Wir haben nicht 0:5 verloren“, gab der 42-Jährige zu bedenken.

Auch Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel war um Ruhe bemüht. „Ich schaue derzeit nicht auf Punkte oder wie viel Rückstand wir haben. Wir werden eine gute Saison spielen, aber niemand soll das Gefühl haben, dass es eine Über-Saison wird“, sagte der Schweizer und ortete bei Rapid „das Potenzial für die Top-3“.

Der Sprung in höhere Tabellenregionen muss aber wohl ohne Maximilian Wöber gelingen. Der 19-Jährige steht vor einem Wechsel zum niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam, der nach dem 40-Millionen-Euro-Abgang von Davinson Sanchez zu Tottenham in der Innenverteidigung nachjustieren will. Die Chancen auf einen Verbleib des Eigenbauspielers sind offenbar gering. „Die Hoffnung ist an einem kleinen Ort“, sagte Bickel zu diesem Thema.

Auch Djuricin dürfte sich mit dem Abschied seines derzeit stärksten Innenverteidigers bereits abgefunden haben. „Wenn er den Schritt wagt, dann muss er ihn machen. Wir können Spieler, die in eine Liga wollen, in der sie sich vom Sportlichen her verbessern können, auf Dauer nicht halten. Das ist das Fußball-Geschäft. Es tut mir zwar menschlich und sportlich sehr leid, aber es muss auch ohne ihn weitergehen“, sagte der Coach und prophezeite Wöber eine große Karriere. „Ich glaube, dass er in ein, zwei, drei Jahren im österreichischen Nationalteam spielen wird. Er hat sehr hohes Potenzial, ist relativ schnell und kopfballstark, hat eine super Spieleröffnung und ist ein intelligenter Bursche.“

Dank dieser Attribute darf sich Rapid auf eine stattliche Ablöse freuen, die sich wohl zwischen sieben und acht Millionen Euro bewegen wird. Damit wäre Wöber der teuerste Verkauf in der Rapid-Geschichte. Die Einnahmen können die Hütteldorfer bei ihrer angekündigten Transferoffensive gut gebrauchen, schließlich sollen bis 31. August noch ein bis drei neue Spieler kommen. Als Kandidat für die Wöber-Nachfolge gilt LASK-Profi Felix Luckeneder, außerdem wird noch zumindest ein schneller Offensivmann gesucht.

Wie belebend ein quirliger Spieler für Rapid sein kann, war gegen Sturm zu sehen - mit der Einwechslung des wieder fitten Philipp Schobesberger wurden die Grün-Weißen um einiges stärker. „Er macht uns große Hoffnung, durch ihn sind wir gefährlicher geworden“, sagte Djuricin.

Für seinen Club gab es am Samstag noch einen weiteren kleinen positiven Aspekt: Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Partien schafften es die hartgesottenen Fans, einen sportlichen Tiefschlag auch ohne das Werfen von diversen Gegenständen aufs Spielfeld zu verkraften.


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