Kölner Autor Akhanli in Spanien wieder frei

Madrid/Berlin (APA/AFP/dpa) - Der auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommene Kölner Autor Dogan Akhanli ist am Sonntag wieder frei ge...

Madrid/Berlin (APA/AFP/dpa) - Der auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommene Kölner Autor Dogan Akhanli ist am Sonntag wieder frei gekommen. Nach der gerichtlichen Anhörung in Madrid sei Akhanli am Sonntag aus der Haft entlassen worden, sagte sein Anwalt Ilias Uyar der Deutschen Presse-Agentur. Er müsse nun zunächst in Madrid bleiben.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel brachte seine Freude über die Freilassung zum Ausdruck und erklärte, Ankara dürfe nicht erreichen, dass Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan auch „am anderen Ende Europas“ in Haft geraten. Akhanli war am Samstag wegen eines türkischen Haftbefehls an seinem Urlaubsort in Spanien festgenommen worden.

Bei dem Ersuchen der Türkei gehe es um den alten Vorwurf, dass sein Mandat 1989 an einem Raubmord auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen sei, sagte Uyar. Wegen dieses Vorwurfs war Akhanli, der seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland lebt, schon einmal in der Türkei vor Gericht gestanden, wurde aber 2011 in Abwesenheit freigesprochen. 2013 wurde der Freispruch jedoch wieder aufgehoben und der Fall neu aufgerollt.

Uyar hält das türkische Gesuch für politisch motiviert. Es sei kein Zufall, dass das Festnahmeersuchen der Türkei gerade zu diesem Zeitpunkt gekommen sei. Akhanli, der ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, sei in der Vergangenheit immer wieder ohne Probleme ins Ausland gereist.

Trotz der Freilassung dürfe der Schriftsteller Madrid vorerst nicht verlassen, teilte Uyar am Sonntag auf seiner Facebook-Seite mit. Dies sei bei einer gerichtlichen Anhörung entschieden worden. Er hob aber hervor: „Der Kampf hat sich gelohnt. Dogan Akhanli kommt frei.“

Mit seinem Roman „Die Richter des Jüngsten Gerichts“, das 1999 auf Türkisch erschien, brach Akhanli ein türkisches Tabu: Das Buch handelt von dem Massaker durch die Osmanen an den Armeniern im Jahr 1915. Mit der Veröffentlichung des Buchs hatte der Schriftsteller den Hass türkischer Nationalisten auf sich gezogen.


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