Bisher bekannte Fakten zu der zwölfköpfigen Terrorzelle in Katalonien

Barcelona/Cambrils (APA/AFP) - Die Anschläge in Barcelona und Cambrils wurden nach den Erkenntnissen der katalanischen Polizei von einer zwö...

Barcelona/Cambrils (APA/AFP) - Die Anschläge in Barcelona und Cambrils wurden nach den Erkenntnissen der katalanischen Polizei von einer zwölfköpfigen Terrorzelle verübt. Bei den Verdächtigen handelt es sich durchweg um junge Männer im Alter zwischen 17 und 34 Jahren, vorwiegend um Marokkaner - und keiner von ihnen stand zuvor unter Terrorverdacht.

Die Terrorzelle wurde nach Polizeiangaben inzwischen „zerschlagen“, zahlreiche Einzelheiten zu den zwölf Männern wurden bekannt, aber der Kopf der Gruppe ist noch nicht benannt. In Alcanar rund 200 Kilometer südlich von Barcelona, wo die konkreten Vorbereitungen für die Anschläge offenbar liefen, wurden mindestens 120 Gasflaschen gefunden, die laut Polizei für Anschläge „noch größeren Ausmaßes“ in Barcelona vorgesehen waren, nach einer versehentlichen Explosion aber nicht mehr zum Einsatz kamen.

Die meisten der zwölf Verdächtigen gingen der Polizei ins Netz oder wurden erschossen. Gefahndet wurde am Wochenende noch fieberhaft nach dem 22-jährigen Marokkaner Younes Abouyaaquoub. Er könnte in Barcelona am Steuer des Lieferwagens gesessen haben, der auf dem Boulevard Las Ramblas 13 Menschen tötete und mehr als 120 verletzte. Der bisher nicht identifizierte Fahrer entkam zu Fuß.

Eine Sonderstellung nimmt das Brüderpaar Moussa und Driss Oukabir ein. Der 17-jährige Moussa wurde von der Polizei in Cambrils erschossen, ebenso wie vier weitere Attentäter. Die fünf jungen Männer trugen Sprengstoffgürtel-Attrappen bei ihrem Angriff, in ihrem Auto fand die Polizei Messer und eine Axt.

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Der 27-jährige Bruder Driss gehört zu den vier Verdächtigen, die von der Polizei festgenommen wurden. Die Familie Oukabir lebt zwischen Spanien und dem Ursprungsort Melouiya im Atlas-Gebirge in Marokko, wo der Vater am Wochenende sagte, er habe bei seinen Söhnen „keine Anzeichen einer Radikalisierung“ erkannt. Er war in den 90er-Jahren nach Spanien gezogen, wo Moussa in Ripoll am Fuße der Pyrenäen geboren wurde. Die meisten Verdächtigen lebten schon lange in Katalonien.

In Ripoll, einer Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern, laufen möglicherweise die Fäden der Terrorzelle zusammen. Die Polizei durchsuchte dort am Wochenende die Wohnung des Imams Abdelkadi Es Satty, der nach Angaben seines Mitbewohners am Dienstag zu ihm gesagt hatte, er wolle „seine Frau in Marokko besuchen“. Seitdem wurde Es Satty nicht mehr gesehen.

Möglicherweise kam der Imam bei der Explosion ums Leben, die sich in der Nacht auf Donnerstag in Alcanar ereignete - wenige Stunden vor den Anschlägen. Dies war vermutlich der Anlass dafür, dass sich die Ereignisse überstürzten und die Anschläge in Barcelona und Cambrils letztlich mit Fahrzeugen ausgeführt wurden. Mit DNA-Untersuchungen will die Polizei herausfinden, ob eines der beiden dort gefundenen Explosionsopfer der Imam sein könnte.

Es Satty soll laut Medienberichten selbst wegen kleinerer Straftaten inhaftiert gewesen sein - und dort Häftlinge getroffen haben, die an den Anschlägen von Madrid 2004 beteiligt waren. Damals wurde Spanien durch verheerende islamistische Anschläge erschüttert: 191 Menschen wurden bei Bombenexplosionen in Vorortzügen von Madrid getötet. In Spanien leben rund 1,9 Millionen Muslime, 500.000 davon in Katalonien.


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