Linke Gegendemonstranten stellten sich Neonazis in Berlin entgegen

Berlin (APA/dpa) - Linke Demonstranten haben sich am Samstag in Berlin-Spandau einem Aufmarsch von mehreren hundert Rechtsextremen entgegeng...

Berlin (APA/dpa) - Linke Demonstranten haben sich am Samstag in Berlin-Spandau einem Aufmarsch von mehreren hundert Rechtsextremen entgegengestellt. Die Neonazis starteten am Mittag einen Protestzug zum 30. Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, der bis zu seinem Tode 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau inhaftiert war.

Schon nach wenigen Metern wurde der Aufzug durch Sitzblockaden von rund 120 Gegendemonstranten gestoppt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Neonazis kehrten daraufhin zum Bahnhof zurück.

An den fünf Gegenveranstaltungen nahmen mehrere hundert Menschen teil. Parteien wie SPD, Grüne und Linke, Gewerkschaften und Bündnisse gegen Rechts unterstützten sie. Rund 1.000 Polizisten waren im Einsatz. Am Rande der Protestzüge kam es zu einzelnen Rangeleien, größere Zwischenfälle gab es nicht. 39 Menschen wurden vorübergehend festgenommen, davon 35 aus dem Lager der Rechten, meist wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, teilte dazu mit: „Die hohe Teilnehmerzahl an der rechtsextremen Demonstration zum Heß-Gedenktag ist sehr erschreckend. Offensichtlich erhalten rechtsextreme Veranstaltungen in jüngster Zeit wieder mehr Zulauf. Das zeigt auch die steigende Zahl von rechtsextremen Konzerten.“ Das müsse den Menschen eine Warnung sein. „Rechtsextreme sind nicht nur für Minderheiten eine Gefahr, sondern für die Demokratie insgesamt.“

Heß hatte sich am 17. August 1987 im Alter von 93 Jahren selbst getötet. Das Gefängnis in Spandau wurde danach abgerissen. Rund um den 17. August gibt es seither immer wieder Aufmärsche von Neonazis. Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte am Samstag dem rbb-Inforadio: „Ein Verbot wäre mir sehr sympathisch gewesen, wir haben das sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt.“

Wegen zwei Brandanschlägen auf Signalanlagen der Deutschen Bahn blieben etwa 250 Neonazis auf dem Weg nach Berlin in Brandenburg stecken und meldeten daraufhin eine Spontandemonstration in Falkensee (Havelland) an. Dort liefen sie zwei Stunden lang durch die Kleinstadt und beschädigten das Schaufenster eines Büros der Grünen. Die Brandenburger Grünen-Landesvorsitzende Petra Budke sagte dazu: „Ich finde es unerträglich, dass Neonazis Gedenkmärsche für ehemalige Nazi-Größen veranstalten und dabei ihr rechtsextremes Gedankengut öffentlich verbreiten.“ Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit 200 Beamten. Laut Grünen schritten auch einige Bewohner Falkensees gegen die Rechten ein


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