TATP - Der Sprengstoff der Jihadisten

Barcelona (APA/AFP) - Die mutmaßlich islamistischen Attentäter von Barcelona wollten laut Polizei eigentlich noch viel verheerendere Anschlä...

Barcelona (APA/AFP) - Die mutmaßlich islamistischen Attentäter von Barcelona wollten laut Polizei eigentlich noch viel verheerendere Anschläge verüben - und setzten dabei auf die „Mutter des Teufels“: Der Sprengstoff TATP wurde in dem Haus in Alcanar gefunden, in dem die jungen Männer vermutlich Bomben zusammenbauen wollten. TATP ist schon lange eine der bevorzugten Waffen von Jihadisten.

Das weiße Pulver - mit vollem Namen Triacetontriperoxid - ist vergleichsweise einfach herzustellen und kann eine tödliche Sprengkraft entfesseln. Die Bestandteile können im Handel frei erworben werden: Schwefelsäure, die sich etwa in Abflussreinigern findet, Wasserstoffperoxid und das Lösungsmittel Aceton. Mit einem einfachen Zünder kann der Stoff zur Detonation gebracht werden. Er ist sehr instabil und explodiert deswegen sehr leicht.

Genau das passierte der zwölfköpfigen Terrorzelle in Katalonien offenbar: In dem Haus in Alcanar, in dem auch 120 Gasflaschen gefunden wurden, kam es in der Nacht auf Donnerstag versehentlich zu einer Explosion, durch die zwei Menschen getötet wurden. Die jungen Männer änderten daraufhin laut Ermittlern offenbar ihren Plan und führten ihre Anschläge mit Autos statt mit Sprengstoff aus.

TATP wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Berliner Chemiker Richard Wolffenstein entdeckt. Der Sprengstoff wurde bei einer Reihe von Anschlägen oder Anschlagsversuchen verwendet: Der sogenannte Schuhbomber Richard Reid wollte damit 2001 eine Boeing 767 in die Luft sprengen, mit TATP ausgestattete Selbstmordattentäter töteten 2005 in London 56 Menschen, und die Paris-Attentäter trugen am 13. November 2015 Sprengstoffgürtel mit der Substanz. Auch in Syrien und im Irak verwendet die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) den Sprengstoff.


Kommentieren