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,,Virus“: Neuer Austro-Tatort fährt schweres Geschütz auf

© ORF/Epo Film/Hubert Mican

In ihrem Tatort-Debüt kommt das Ebola-Virus in Österreich an. Regisseurin Barbara Eder im Gespräch über Hysterie, Serienpläne und den Mut des ORF.

Innsbruck –Mit dem Kriegsreporterdrama „Thank you for bombing“ räumte Regisseurin Barbara Eder heuer beim Österreichischen Filmpreis ab, u. a. mit den Preisen für die beste Regie und den besten Film. Das hat Aufmerksamkeit gebracht – und zwar nicht nur in Österreich. „Hier hat man mich ja gekannt, auch im ORF kennt man meine Arbeiten. Interessant wird’s, wenn man Richtung Deutschland schaut. Die kannten mich nicht“, so Eder im TT-Gespräch. Dass dann auch „aus Deutschland Anrufe gekommen sind, hat mich schon verwundert. Das war der Österreichische Filmpreis, das ist schon über die Grenzen hinaus gegangen.“

Alle Türen stünden einem deshalb natürlich nicht gleich offen, sagt die 1976 in Eisenstadt geborene Regisseurin. „Aber es wurde gesagt: Ich möchte ein bisschen mehr von deinen Arbeiten sehen. Und das ist schon gut.“

Tatort-Debüt: Regisseurin Barbara Eder.
© Gregor Hofbauer

Es könnte tatsächlich auch Konkretes daraus werden: Momentan ist Eder in die Projektentwicklung einer schwedisch-deutschen Miniserie mit dem Titel „West of Liberty“ involviert – „eine Whistleblower-Geschichte, es geht um Spionage, Datenlecks, es ist ein Politthriller, der in Marokko, Schweden und Deutschland spielt“, sagt die Regisseurin. Produzent ist die Kölner Network Movie, ob das Projekt tatsächlich zustande kommt ist, allerdings noch nicht fixiert.

Vorerst ist kommenden Sonntag, 27. August, aber Eders „Tatort“-Debüt im ORF zu sehen. Der Titel „Virus“ hält, was er verspricht, es wird schweres Geschütz aufgefahren: eine Flüchtlingskolonie in ländlicher Abgeschiedenheit, ein Toter im Steinbruch, Seuchenalarm, Straßensperren, Soldaten: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) bekommen es mit Ebola zu tun.

Am Drehbuch von Rupert Henning habe sie die „Hysterie, die da entsteht“, interessiert, so Eder. „Wenn die Dinge weit weg sind – Ebola, das Leid in Afrika – dann interessiert es uns nicht, dann tangiert’s uns nicht. Sobald aber das Fremde in meine Nähe kommt, kriege ich Angst und die kann in Hysterie umschlagen. Es gibt dieses Wirtshausgespräch, das ein sehr österreichisches ist, in dem es darum geht, wer hat wen berührt, der Hund könnte auch schon Ebola haben.“

Die Bedrohung, sagt Eder, sei das eine Thema, ein anderes werde von den Kommissaren eingebracht, „die einen Schritt weitergehen und fragen: Warum gibt es denn keine Medikamente und warum wird denn nicht geforscht? Dann wird es eigentlich sehr politisch. Dann erfährt man, dass die Pharmaindustrie sich nicht einsetzt für Patienten in Afrika, weil das keine zahlungskräftigen Patienten sind.“

Der Schmäh geht dem Ermittlerduo dabei trotzdem nicht aus. Und Eder hält diesen für enorm wichtig: „Das ist ja schon in ihren Charakteren angelegt. Und niemand kennt die so gut wie Harry und Adele. Da brauche ich als Regisseurin gar nimma daherkommen und denen irgendwas erzählen, die wissen genau, was sie tun.“

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Eder arbeitet regelmäßig für den ORF, hat zum Beispiel einige Episoden der „Cop Stories“, von „Wir sind Kaiser“ oder den Landkrimi „Kreuz des Südens“ (2015) inszeniert. Der Öffentliche-Rechtliche sei als Auftraggeber „massiv wichtig. Ohne ORF ist es nicht zu schaffen.“ Würde Sie sich manchmal mehr Mut zu außergewöhnlicheren Produktionen wünschen? „Ich finde nicht, dass der ORF nicht mutig ist. Es gibt zahlreiche Formate, die wahnsinnig mutig sind. Dazu gehört ein Schalko mit ‚Altes Geld‘. Aber natürlich bewegt sich der ORF immer zwischen Erwartungshaltung eines Formats und Mutig-Sein. Ich finde nur, man sollte nicht so draufhauen, wenn etwas scheitert. Was man manchmal so liest in Foren ... ich finde zum Mut gehört auch die Möglichkeit zum Scheitern dazu. Und je mehr gehusst wird, desto weniger traust du dich.“ (jel)

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