Judith Williams: „Eitelkeit zerstört Erfolg“

Bei „Die Höhle der Löwen“ sitzt Judith Williams selbstbewusst auf der Investoren-Bank: Mit der TT spricht sie über dunkle Zeiten, ihre Verbindung zu Tirol und die Arroganz-Falle.

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Von Christiane Fasching

Innsbruck –Über Geld spricht man nicht – aber das ist Judith Williams egal. „Ich bin eine erfolgreiche Unternehmerin und habe kein Problem damit, zu sagen, dass mein Geschäftsmodell funktioniert hat – und ich Millionenumsätze mache“, sagt die 44-jährige Münchnerin, die sich als „Teleshopping-Queen“ und mit dem Vertrieb von Kosmetik-, Mode- und Schmuck­artikeln ein goldenes Näschen verdient hat.

2006 gründet die Deutsch-Amerikanerin die „Judith Williams GmbH“, deren Firmenzentrale in Innsbruck liegt, wohin es Williams mindestens zweimal im Monat verschlägt. „Ich liebe die Natur und ich liebe gutes Essen: In Tirol bekomme ich gleich beides, das ist doch herrlich“, sagt sie im TT-Gespräch. Die Frau weiß eben, wie man Sachen verkauft ...

Seit 2014 gehört sie deshalb zum Investoren-Team der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“, bei der Jungunternehmer finanzkräftige Unterstützer für ihre Geschäftsideen suchen – und auch finden, wenn sie nicht in eine Falle tappen. „Es passiert leider nicht selten, dass wir Gründern begegnen, die mit einem Übermaß an Arroganz auftreten, obendrein aber schlecht vorbereitet sind. So etwas ärgert mich maßlos“, knurrt die grundsätzlich sanfte Löwin, die aber auch die Krallen ausfahren kann, wenn sie das Gefühl hat, dass ihr jemand die Zeit stiehlt. „Eitelkeit zerstört Erfolg“, ist Williams überzeugt – und rät den Höhlen-Forschern, nicht sich selbst, sondern ihr Produkt in den Mittelpunkt zu stellen.

Diese Erkenntnis hat die Multi-Unternehmerin nicht während eines BWL-Studiums gewonnen – dafür musste sie durch die Schule des Lebens gehen, das es nicht immer gut mir ihr meinte. „Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich davon überzeugt war, dass aus mir nichts wird“, gesteht Williams – und dreht die Zeit zurück. Mitte der 1990er-Jahre war die Tochter eines erfolgreichen Opernsängers auf dem besten Weg, als Sopranistin Karriere zu machen. Schon als Kind stand sie auf der Bühne, auf der sie ihre berufliche Zukunft sah. An der Londoner Royal Academy of Music studierte sie Ballett, in Köln klassischen Gesang – unterrichtet wurde sie dabei unter anderem von der ehemaligen Landestheater-Intendantin und Kammersängerin Brigitte Fassbaender, die sie als „großartige Frau“ in Erinnerung hat.

Williams sang die Maria in der „West Side Story“, die Papagena in „Der Zauberflöte“, als an ihrer Gebärmutter ein Tumor entdeckt wurde. „Ich stand damals vor der Entscheidung, eine Total-Operation zu machen, die verhindert hätte, dass ich jemals Mutter werde. Die zweite Option war eine Hormonbehandlung – wie sich diese auf meine Stimme auswirkt, war aber nicht absehbar“, erzählt die Mutter zweier Töchter ganz offen. Wie sie sich entschieden hat, liegt also auf der Hand.

Bereut hat sie diesen Weg nicht – wenngleich er tatsächlich dazu führte, dass ihre Gesangskarriere vorbei war. „Ich habe meine Stimme und meine berufliche Existenz verloren. Ich stand vor dem Nichts“, sagt Williams. Und erinnert sich, wie sie in der Folge als Empfangsdame in einem Fitness-Studio anheuerte, wo sie rasch ihr Verkaufstalent entdeckte, das sie dann bei einem Tele­shopping-Kanal unter Beweis stellen wollte. Zunächst vergeblich. „Man hat mich zweimal abgelehnt, aber ich habe nicht lockergelassen: Ich wollte beweisen, was ich kann“, erzählt sie. Und verschweigt auch nicht, dass sie anfänglich für ihr neues berufliches Standbein belächelt wurde. „Da wären wir wieder bei der Eitelkeit, die man ablegen muss, wenn man etwas erreichen will: Mir war egal, dass sich Leute über mich das Maul zerreißen, ich war einfach froh, dass ich nicht mehr deprimiert auf der Couch sitze, sondern einen Job habe, der mir etwas bedeutet.“

Was Williams aus ihrem Schicksal gelernt hat? „Egal, wie verzweifelt man ist, es gibt immer einen Ausweg. Ich bin doch das beste Beispiel dafür, dass nichts unmöglich ist“, lautet ihr Credo, das sie auch den Kandidaten von „Die Höhle der Löwen“ mitgeben will. Wie lange sie dort noch als Investorin im Einsatz sein wird, weiß sie noch nicht. „Die vierte Staffel ist jetzt einmal abgedreht, wie es weitergeht, will ich mir offenlassen. Es gibt ja noch so viele Dinge, die ich im Leben machen will“, sprudelt es aus ihr heraus. Das Singen gehört auch dazu: Williams’ Stimme hat sich wieder erholt, zum Einsatz kommt sie hauptsächlich bei Benefizkonzerten – unter anderem zugunsten der Leukämie-Stiftung von José Carreras, der sie auch den Gesamterlös ihres Buches „Stolpersteine ins Glück“ spendete.

Mit Judith Williams kann man aber nicht nur über Glück, sondern auch über Geld sprechen. Stolz erzählt sie, dass sie – mit ihrem Löwen-Kollegen Frank Thelen – in „Little Lunch“, das erfolgreichste Start-up-Unternehmen der Show, investiert hat, das statt 5000 Suppen pro Jahr nun eine Million Suppen pro Monat verkauft. „Der Verkauf der Anteile wäre jetzt sicher profitabel“, rechnet sie vor. Williams kann eben nicht nur Noten, sondern auch Bilanzen lesen.


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