„Irma“: Bootstour in Altstadtgassen - Hurrikan überflutet Havanna

Miami/Tampa (Florida)/San Juan (APA/dpa) - Wo in Havanna normalerweise Touristen flanieren, paddeln Kinder jetzt auf Brettern durch die über...

Miami/Tampa (Florida)/San Juan (APA/dpa) - Wo in Havanna normalerweise Touristen flanieren, paddeln Kinder jetzt auf Brettern durch die überfluteten Gassen. Feuerwehrleute machen eine Rauchpause, streifen ihre Gummistiefel ab und schütten das Wasser aus. „Das ist ein ziemliches Desaster“, sagt Enrique Hidalgo im Fernsehsender Prensa Latina. „Ich lebe schon mein ganzes Leben hier. Verglichen mit anderen Stürmen war das ganz schön heftig.“

Der Hurrikan „Irma“ ist mit zerstörerischer Kraft über Kuba hinweggezogen. Zehn Menschen kommen auf der Karibikinsel ums Leben, zahlreiche Häuser sind beschädigt. Vor allem im historischen Zentrum von Havanna halten viele baufällige Gebäude den Sturmböen nicht stand. Zwei Frauen werden erschlagen, als im vierten Stock ein Balkon abbricht und auf ihren Bus stürzt.

An der berühmten Uferpromenade Malecon treffen sich sonst Liebespärchen zum Rendezvous, Angler hängen ihre Leinen ins Wasser, Touristen fotografieren den Sonnenuntergang. Als „Irma“ auf Havanna trifft, wird es hier ungemütlich: Bis zu neun Meter hohe Wellen peitschen über die Straße.

Soldaten und Zivilschutz-Helfer fahren mit Motorbooten durch die Straßen, um vom Wasser eingeschlossene Menschen aus ihren Häusern zu holen. „Wir haben viele Leute in Sicherheit gebracht, deren Wohnungen überschwemmt waren“, erzählt der Soldat Dairo Jorge Martinez.

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Umgestürzte Bäume, Müll und Schutt behindern die Rettungsarbeiten. „Es ist ein bisschen schwer, die Straße zu überqueren. Teile von eingestürzten Mauern blockieren den Weg. Aber wir schaffen das schon“, sagt der Soldat Adrian Ruenes, der mit seinem Motorboot durch die Straßen von Havanna schippert und Bewohner einsammelt.

Über 500 Meter tief ist das Wasser ins Stadtzentrum vorgedrungen. „Soweit kam das Wasser bisher noch nie“, sagt die Chefin des Zivilschutzes in der Hauptstadt, Mercedes Lopez.

Kuba ist hurrikanerprobt, der Zivilschutz funktioniert gut. Bereits bevor der Sturm kommt, ermahnen Polizisten Fußgänger in der Straße Galliano im Zentrum, nicht weiterzulaufen. Es gibt viele Straßensperren. Busse und Räumfahrzeuge zur Schuttbeseitigung stehen bereit.

In einer Seitengasse verkauft Toni seine letzten Mini-Pizzas und Limonaden. „Morgen um 8.00 Uhr Frühstück. Garantiert“, sagt er. Daraus wird allerdings nichts. Am Tag darauf bräuchten seine Kunden Schlauchboote, um den Strand zu erreichen. Als sich der Sturm legt, sind die Straßen verwaist und voller Müll.

Viele Urlauber und Kubaner nehmen es gelassen, flanieren am Parque Central zwischen entwurzelten Bäumen und umgestürzten Laternen umher. Ein Spanier nimmt eine ältere Kubanerin am Arm und führt sie über die glitschige, vermüllte Straße. Der Eigentümer eines Restaurants am Plaza Vieja hat vorgesorgt und in drei riesigen Behältern in Mülltonnengröße Bier auf Eis gelegt. In der Küche wird mit Gas gekocht. Vor dem Restaurant bilden sich Schlangen.

Am Montag wird in Havanna aufgeräumt. Arbeiter schaffen umgestürzte Bäume und Strommasten beiseite, wo das Wasser bereits zurückgegangen ist. Präsident Raul Castro verspricht den Kubanern staatliche Hilfe beim Wiederaufbau. „Die Revolution wird niemanden schutzlos allein lassen. Keine kubanische Familie wird ihrem Schicksal überlassen“, sagt er. „Jetzt ist keine Zeit zum Jammern. Wir werden wieder aufbauen, was die Winde von Hurrikan „Irma“ zerstören wollten.“


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