Holland-Fonds - Cobin Claims startet Sammelaktion für Rückabwicklung

Wien (APA) - Obwohl sich der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Sachen Holland-Immobilienfonds Anfang Juni mit dem deutschen Emissio...

Wien (APA) - Obwohl sich der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Sachen Holland-Immobilienfonds Anfang Juni mit dem deutschen Emissionshaus MPC auf einen Vergleich für mutmaßlich geschädigte Investoren geeinigt hat, will der Verein Cobin Claims nicht lockerlassen und hat heute eine Sammelaktion gestartet, mit der eine Rückabwicklung verlustreicher Investments erreicht werden soll.

Das österreichische Kapitalmarktgesetz (KMG) enthalte in § 14, Abs. 3 als Spezifikum die Bestimmung, dass ein Anleger nach dem Abschluss einer Immobilienbeteiligung eine Bestätigung erhalten muss, aus der sich alle wesentlichen Pflichten und Rechte ergeben, erläuterte der Anwalt Wolfgang Haslinger von der Kanzlei Neumayer, Walter & Haslinger am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Hier will Cobin Claims (= COnsumer, Business, INvestors) einhaken und für die Anleger eine Rückabwicklung ihrer Investmentgeschäfte „ex tunc“ ermöglichen, also so, als hätten die Anleger die Investitionen nie getätigt. Die Anleger sollen ihr investiertes Kapital samt Zinsen zurückfordern, weil sie eine solche Bestätigung nicht bekommen hätten. „Dieser Zettel hat juristisch die Durchschlagskraft eines Ziegelsteins durch eine Glasscheibe“, zeigt sich Vereinsobmann Oliver Jaindl überzeugt.

Auch falls Paragraph-14-Bestätigungen übergeben wurden, könnten Anleger eine Rückabwicklung der Veranlagung verlangen, denn in den Aufklärungsschreiben sei nicht erwähnt worden, dass die Anleger bereits ausgeschüttetes Geld zurückzahlen müssten. Anleger hätten die Ausschüttungen für Gewinne gehalten, in Wahrheit sei aber Geld aus dem Kapitalstock überweisen worden - und zwar nach Abzug von Immobiliensteuern, zurückgefordert würden aber Bruttobeträge. „Der Anleger kann also mehr Geld verlieren, als er überhaupt investiert hat“, sagt Haslinger. Nach der Rechtsansicht von Cobin Claims bestehe wegen der nicht erfolgten oder ungenügenden Aufklärung ein unbefristetes Rücktrittsrecht bei allen Holland-Fonds.

Das sieht man bei MPC erwartungsgemäß ganz anders. „Ich halte die Vorwürfe und juristischen Argumente für nicht stichhaltig“, sagte der Liquidator Kurt Cowling von der CPM Anlagen Vertriebs GmbH in Liquidation (vormals MPC Münchmeyer Petersen Capital Austria GmbH) zur APA. „Das ist ja alles schon 14 oder 15 Jahre her, und in dieser Zeit haben die Anleger laufend jedes Jahr Informationen bekommen, über diese Bestätigung hinaus.“ Im Gegensatz zu Österreich gebe es in Deutschland schon Urteile in der Causa, und diese seien gegen die Anleger ausgegangen. Zudem sei eine Rückabwicklung von Anfang an gar nicht möglich, sondern es wäre gegebenenfalls nur ein Rücktritt im Sinne einer außerordentlichen Kündigung, die mit dem aktuellen Wert abzuwickeln wäre. „Und der aktuelle Wert ist bei einigen Beteiligungen leider sehr gering bzw. null in der Zwischenzeit.“

Die Sammelaktion von Cobin Claims sei der „Versuch einer Anwaltskanzlei, noch ein Geschäft zu machen“, so Cowling. „Es wird in diesem Punkt keine Vergleiche von uns geben. Das wird auf jeden Fall zu langen Gerichtsprozessen führen mit entsprechendem Unkostenrisiko für die Anleger.“

Laut Jaindl ist die Anmeldung zur Sammelaktion auf der Internetseite www.cobinclaims.at kostenlos und unverbindlich. „Wenn wir wissen, wie viele sich anschließen, können wir über den Organisationskostenbeitrag reden, das ist aber in einem sehr überschaubaren Rahmen, bestenfalls einmal mit der Familie mittagessen gehen.“ Zunächst werde man aber in den nächsten Wochen und Monaten Daten sammeln. „Wenn es eine kritische Masse erreicht, wenden wir uns an die Anleger mit konkreten Vorschlägen.“ Falls die Anleger mit ihren Forderungen durchkommen, könnten sie bei einer Rückabwicklung der Investitionen ihr Geld in etwa zwei Jahren zurückbekommen.


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