Rotes Kreuz schloss nach Anschlag Orthopädie-Zentrum in Afghanistan

Mazar-i-Sharif (APA/dpa) - Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf eine Mitarbeiterin hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK...

Mazar-i-Sharif (APA/dpa) - Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf eine Mitarbeiterin hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sein einziges Orthopädie-Zentrum im nördlichen Afghanistan geschlossen. Die Entscheidung sei nach der Ermordung der 38-jährigen Spanierin durch einen Patienten gefallen, sagte ein IKRK-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Die Mitarbeiterin war am Montag in dem Zentrum in Mazar-e-Sharif in der Provinz Balch von einem körperlich behinderten Mann erschossen worden, der dort in Behandlung war. Sein Motiv blieb weiter unklar. Die Polizei nahm bereits am Montag nach dem Zwischenfall zwei 21 und 30 Jahre alte Verdächtige fest, die beide Patienten waren und körperlich behindert sind.

Das Orthopädie-Zentrum war die einzige verbliebene Anlaufstelle des IKRK für Kriegsversehrte im Norden Afghanistans. Nach dem Mord an sechs Mitarbeitern im Februar in der nördlich gelegenen Stadt Jausdshan hatte die Organisation die meisten ihrer Behandlungszentren im Land vorübergehend stillgelegt.

Die Schließung des Orthopädie-Zentrums in Mazar-e-Sharif dürfte den Mangel an medizinischer Versorgung für die immer zahlreicheren Opfer des anhaltenden Kriegs verschärfen. In diesem und anderen Zentren im Land wurden künstliche Arme und Beine sowie andere Prothesen hergestellt. In Afghanistan kämpfen die radikalislamischen Taliban gegen die Regierung und verüben seit Ende 2014 verstärkt Anschläge. Die Taliban hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle.

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