„Hereinspaziert!“: Culture-Clash-Komödie mit Christian Clavier

Wien (APA/dpa) - Seit einigen Jahren ist die Komödie im krisengeschüttelten Frankreich das mit Abstand beliebteste Genre. Dabei beziehen vie...

Wien (APA/dpa) - Seit einigen Jahren ist die Komödie im krisengeschüttelten Frankreich das mit Abstand beliebteste Genre. Dabei beziehen viele Erfolgsfilme ihre Komik aus dem Culture-Clash: Menschen verschiedener Herkunft, Religion und Hautfarbe treffen aufeinander, aber nicht Konflikte, sondern Gemeinsamkeiten behalten die Oberhand. Dazu gesellt sich nun „Hereinspaziert!“, der am Freitag in den Kinos startet.

Auch hier lautet die versöhnliche Botschaft: Wir sind doch alle Menschen. Dieses optimistische Motto in Zeiten des Terrors kennt man bereits vom Blockbuster „Monsieur Claude und seine Töchter“ (2014), mit dem Regisseur Philippe de Chauveron und sein Hauptdarsteller Christian Clavier nicht nur in Frankreich reüssieren konnten. Das gleiche Gespann legt jetzt mit „Hereinspaziert!“ erneut eine Komödie vor, die vom Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen und Klassen lebt. Den Megaerfolg des Vorgängers wird diese lauwarme, vorhersehbare Klamotte voraussichtlich nicht toppen - im Vergleich mit dem charmanten Hochzeitsfilm vermisst man als Zuschauer diesmal vor allem Esprit und Witz.

Ein wenig zu selbstgefällig spielt der französische Publikumsliebling Christian Clavier (65) den linksliberalen Bestsellerautor Jean Etienne Fougerole, der sich bei einem TV-Streitgespräch mit einem Populisten zu der Aussage hinreißen lässt, wenn eine hilfsbedürftige Roma-Familie am Tor seiner Luxusvilla stehen würde, wären die Menschen jederzeit bei ihm willkommen.

Zum blanken Entsetzen vor allem von Jean Etiennes steinreicher Ehefrau Daphne (Elsa Zylberstein) stehen am Abend tatsächlich Familienoberhaupt Babik (Ary Abittan) und seine neunköpfige Sippe vor der Tür des wohlhabenden Linken. Zähneknirschend bietet Jean Etienne seinen gepflegten englischen Rasen als Stellplatz für den kaputten Wohnwagen der Roma-Sippe an. Und sein pubertierender Sohn Lionel (Oscar Berthe) knüpft inzwischen schon einmal zarte Bande zur bildhübschen Tochter des autoritären Patriarchen Babik.

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Natürlich sind die Charaktere politisch weitgehend korrekt gezeichnet. Roma-Chef Babik ist ein herzensguter Mensch. Geklaut wird nur, wenn es der Familie zum Überleben hilft. Als dieser Babik auf Betreiben von Jean Etienne einen Job als Museumswächter erhält, erweist sich der struppige Typ in Uniform als knallharter Law-and-Order-Mann. Dagegen bemühen sich die Drehbuchautoren nach Kräften, den eitlen Salonlinken Jean Etienne zu entlarven. Wenigstens ein bisschen, denn natürlich ist auch diese weitgehend pointenfreie Komödie auf ein Happy End gebürstet. Dass dies dann mit einer Hochzeit mit reichlich Blasmusik und Besäufnis irgendwo im Donaudelta zelebriert wird, ist dann doch etwas dick aufgetragen.

Aber auch diese allseitige Harmonie konnte nicht verhindern, dass dem Film beim Kinostart in Frankreich Rassismus vorgeworfen wurde. In der Tat sind es wieder die altbekannten Stereotype, mit denen die Roma-Sippe hier charakterisiert wird. Aber schlimmer noch als dieser Vorwurf wiegt für die Zuschauer die Tatsache, dass „Hereinspaziert!“ über weite Strecken einfach nicht witzig ist. Ein Film vom Reißbrett, routiniert, aber uninspiriert zusammengezimmert.

(S E R V I C E - http://hereinspaziert-film.de)


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