Dem Himmel und der Sonne so nah

Nicht nur in Sunset Orange strahlt das überarbeitete 4er Cabrio hell unter der Sonne. Der klassische offene BMW repräsentiert die Markentugenden in Reinkultur. Sein Stahlverdeck macht ihn sogar zum besseren Coupe.

Frischlufterlebnis der luxuriösen Art: Der Innenraum des Vierer erweist sich als optische Pracht. Offen kommt helles Leder noch besser zur Geltung.
© Fellner Reinhard

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Seit der Präsentation des ersten Dreier Cabrio im Jahr 1982 gilt diese Modellvariante als das klassische Cabriolet im Hause BMW. Das technische Konzept des Bayern-Sportlers prägt seither die Proportionen des Sonnenanbeters. Längs verbaute Motoren verlangen eben nach einer langen Motorhaube.

Beim letzten Modellwechsel trug BMW der außergewöhnlichen Erscheinung von Coupe und Cabriolet Rechnung und lässt beide Modellvarainten seither als 4er-Reihe laufen. Dies gefiel offenbar – so wurden seit 2013 über 400.000 4er-Modelle verkauft.

Abseits aller Markenreminiszenzen hat das natürlich seine Gründe. Anhand der soeben überarbeiteten Baureihe ging die TT auf Motivforschung. Als Objekt der Wissensbegierde diente ein 430d in Sunset Orange.

Heisst: Glänzender Auftritt und der Bayern herrlicher Sechszylinder-Diesel mit 258 PS samt 560 Newtonmetern, gepaart mit einem der besten Achtgang-Automaten am Markt und konventionellem Heckantrieb. Klingt schon antriebsseitig nicht gerade nach Langeweile. So bringt der famose Diesel (mit SCR-Kat) bei turbinenhaften Klang schon ab 1500 Umdrehungen eine Kraftfülle an die Räder, die frühere Heckantriebsfahrwerke niemals hätten bändigen können. So verleiht die Kombination diesem 4er schon etwas Sportwagenhaftes. Der Hecktriebler verfügt zusammen mit der äusserst direkten Lenkung über ein geradezu messerscharfes Handling. Der stetig anliegende Leistungsüberschuss erlaubt je nach Fahrmodus-Einstellung ein frivoles Spiel mit dem Fahrzeugheck. Wer so etwas nicht will, dem gibt das ESP einen souverän-sicheren Rahmen vor. Die Maschine beherrscht aber natürlich auch entspanntes Gleiten hervorragend und zeigte mit einem Verbrauch von 6,3 Litern trotz 1845 Kilo Gewicht, warum saubere Diesel mit Harnstoffreinigung wohl noch lange eine Daseinsberechtigung haben.

Die Fahrwerksabstimmung erachtete BMW übrigens als optimale Mischung aus Straffheit und Komfort als so gelungen, dass sie im Gegensatz zum Coupe nicht Teil der Überarbeitung wurde.

Wer das Stahldach per Knopfdruck öffnet, um aus einem schönen Coupe ein Cabrio zu machen, erlebt über 20 Sekunden eine Demonstration deutscher Ingenieurskunst. Passanten (auch über acht Jahre) stehen staunend neben dem Wagen. Die Öffnung macht den Vierer ohne B-Säule oder sonst Störendes zum Prachtcabriolet. Das Frischluftgefühl ist während der Fahrt traumhaft. Wer es kuscheliger haben möchte, fährt die rahmenlosen Scheiben hoch und aktiviert die Sitzheizung und den optionalen Nackenwärmer. So ist man für die offene Winterfahrt gerüstet – vorausgesetzt man sitzt vorne. Hinten ist es im Vierer nämlich recht eng. Außerdem ist der Zugang über die viel zu langsam hin- und herfahrenden elektrischen Frontsitze mühsam.

Auch der durch das Faltdach auf 220 Liter eingeschränkte Kofferraum beweist, dass der viersitzige 4er bei größeren Reisen eher ein Fall für zwei ist. Aber das wissen die meist genussorientierten Käufer ohnehin und nehmen allenfalls erfreut zur Kenntnis, dass nun auch die Multimediaeinheit auf dem letzten Stand ist. Eine guten Stand sollte übrigens auch das Konto haben: 62.500 Euro solltens sein.


Kommentieren


Schlagworte