Datenmissbrauch in sozialen Netzwerken

Soziale Netzwerke sind längst Alltag am Schulhof. Stehen Eltern in der Pflicht und wie können sie ihre Kinder vor Datenmissbrauch schützen?

Minderjährige WhatsApp-Nutzer können von ihren Freunden auf Unterlassung geklagt werden, wenn deren Daten von WhatsApp ohne Zustimmung weitergegeben werden.
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Kürzlich entschied ein deutsches Amtsgericht, dass eine Mutter von allen Kontakten, die ihr 11-jähriger Sohn in seinem Smartphone gespeichert hat, binnen zwei Monaten schriftliche Einwilligungserklärungen einzuholen hat. Der Grund: Ihr Sohn nutzt auf seinem Smartphone den Messenger-Dienst WhatsApp.

WhatsApp verlangt regelmäßigen Zugriff auf die Kontaktdaten des digitalen Adressbuchs, um diese mit den WhatsApp-Kontakten abzugleichen. Da die Nutzer in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von WhatsApp bei der Ersteinrichtung des Messenger-Dienstes bestätigen, zur Datenweitergabe befugt zu sein, drohen dem Kind nach Ansicht des deutschen Gerichts nun teure Abmahnungen und Unterlassungsklagen.

Auch nach österreichischem Datenschutzrecht dürfen Daten, die eine natürliche Person für ausschließlich persönliche oder familiäre Tätigkeiten verarbeitet, für andere Zwecke nur mit Zustimmung der Betroffenen übermittelt werden. Eine Weitergabe der Kontaktdaten an WhatsApp ohne vorherige Zustimmung der betroffenen Freunde kann damit unzulässig sein. Bei Verletzung der Aufsichtspflicht kann auch die Eltern eine Haftung für ihre Kinder treffen.

In der Praxis ist es eher unwahrscheinlich, dass minderjährige WhatsApp-Nutzer von ihren Freunden auf Unterlassung geklagt werden. Eltern sollten ihre Kinder bei der Nutzung sozialer Netzwerke jedoch beaufsichtigen, um rechtliche Streitigkeiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Dass Kinder zu Opfern oder gar Tätern von Datenmissbrauch werden, kann letztlich nur die frühzeitige Bewusstseinsschärfung für den Schutz der Privatsphäre verhindern.

Kontakt: office@warbek.at


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