Adler Runde fordert Reformen, Streit mit AK und ÖGB

Tiroler Unternehmer wollen 60-Stunden-Woche und Steuerentlastungen. AK-Chef Erwin Zangerl ortet ein mangelndes Demokratieverständnis.

Präsentierten die Forderungen der Adler Runde: (v. l.): Klaus Mark, Ingeborg Freudenthaler, Anton Pletzer, Peter Grüner und Fritz Unterberger.
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Innsbruck –Die Tiroler Adler Runde, ein Zusammenschluss von 42 Tiroler Unternehmern, fordert von der kommenden Regierung „umfassende Reformen, um den Wirtschaftsstandort zu sichern“. So solle es möglich werden, Mitarbeiter bis zu „zwölf Stunden pro Tag“ und „60 Stunden pro Woche“ zu beschäftigen, um Auftragsspitzen abzufedern. Außerdem müssten Betriebsübergaben erleichtert werden. Aufgrund von „überbordenden Vorschriften“ sei eine Übergabe der Firma an die nächste Generation „nahezu unmöglich“.

Ingeborg Freudenthaler ortet – besonders im Tourismus – gar einen „Ausverkauf der Heimat“. Auch wünsche man sich eine Senkung der Sozialbeiträge und anderer Lohnnebenkosten. Mit 43,4 Prozent Abgaben sei Österreich im EU-Vergleich ein „Hochsteuerland“. Das verhindere Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Eine veritable Attacke gegen die Arbeiterkammer (AK) und den ÖGB ritt der Vizepräsident der Tiroler Adler Runde Fritz Unterberger. Der ÖGB hetze die Leute auf und man lasse sich auch von der Arbeiterkammer in der AK-Zeitung nicht als Ausbeuter bezeichnen, so der Autohändler. Das sei „widerlich“. Man werde schon fast als „Verbrecher hingestellt“.

Verwundert ob dieser Aussagen zeigte sich AK-Präsident Erwin Zangerl. Die von Unterberger vorgebrachten Anschuldigungen seien schlichtweg falsch. Die AK habe zu keinem Zeitpunkt Unternehmer pauschal verurteilt und schon gar nicht als Ausbeuter und Verbrecher hingestellt. „Ich glaube, der Herr Unterberger braucht einen ‚Wort-Katalysator’, das wäre sicher gut für seine Umwelt“, so ein erboster AK-Chef zur TT. Es sei bedenklich genug, dass die Adler Runde ihre Wünsche, unter denen jetzt anscheinend auch die Abschaffung der Sozialpartnerschaft sei, direkt an die kommende Regierung nach Wien schicke. Damit umgehe sie klar den üblichen Weg über Landtag bzw. Landesregierung.

Und auch Philip Wohlgemuth, Vorsitzender des ÖGB Tirol, fand scharfe Worte. Die Adler Runde solle besser ihre Hausaufgaben machen, anstatt medienwirksam immer nach noch mehr Flexibilisierung zu rufen. „Geier Runde“ würde der Gesinnung der Gruppierung eher entsprechen. Die Forderung einer 60-Stunden-Woche spreche für sich. „Dahinter steckt nichts anderes als der Wunsch nach Abschaffung der Überstundenzuschläge und damit Lohnraub durch die Hintertür“, erklärt Wohlgemuth.

Kritik kam auch von SPÖ und Grünen: Für die Vorsitzende der Tiroler SPÖ, Elisabeth Blanik, kommt das einer Kampfansage an die Arbeitnehmer gleich. „Die Devise scheint klar: Profitdenken zuerst, alles andere ist nebensächlich.“ Laut Tirols Grünen-Spitzenkandidatin Berivan Aslan sehe „von ganz weit oben die Arbeitswelt für die Wirtschaftsbosse vielleicht ganz in Ordnung aus. Aber schon jetzt kämpfen viele Beschäftigte mit Überlastung, mit Burnout und zu hohen Lebenshaltungskosten bei stagnierendem Reallohn.“ (hu)


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