“Home is Here“: Die Leere unter blitzblanken Oberflächen

Reduzierte Gesten, großes Thema: Tereza Kotyks in Innsbruck gedrehtes Spielfilmdebüt „Home is Here“ läuft am Freitag im Kino an.

Die junge Schwedin Anna Aström als Hannah in Tereza Kotyks beinahe wortlosem Drama „Home is Here“.
© Kranzelbinder Gabriele Productio

Innsbruck –In Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“ spielte Stipe Erceg einen von drei Aktivisten, die in großbürgerliche Villen einbrachen, um dort mondäne Statusobjekte in antikapitalistische Statements zu verwandeln. In Tereza Kotyks Spielfilmdebüt „Home is Here“ ist es nun der von Erceg gespielte Max, in dessen Wohnung eingedrungen wird.

Doch die Botschaften, die die junge Hannah (Anna Aströ­m) in seinem beinahe repräsentativ farblosen Hochglanz-Heim hinterlässt, sind weit weniger offensiv: kleine Verschiebungen, sprichwörtliche Verrücktheiten und kurze Post-it-Nachrichten.

Hannah und Max sind Stadtmenschen, Einzelgänger. Er lebt für die Arbeit, ist Erfüllungsgehilfe der Erwartungen anderer. Sie ist fremd in der Stadt, die mehr oder weniger offensichtliche Details als Innsbruck ausweisen. Eine Geflüchtete, die ihren Platz sucht und nirgends wirklich angekommen ist.

Aström und Erceg spielen mit reduzierten Gesten und vielsagenden Blicken. Auch daraus entwickelt „Home is Here“ seine Intensität. Die Annäherung an die Einsamkeit, das große Thema dieses – im besten Sinne – kleinen Films, folgt einer assoziativen, man könnte auch sagen poetischen Logik. Natur- und Tieraufnahmen sind Kommentar und Kontrastfolie für diese größtenteils stumme Studie, die blitzblanke Oberflächen ausstellt, um von der Leere, die darunter lauert, zu erzählen.

Nach seiner Welt­premiere vor einem Jahr beim renommierten estnischen A-Festival in Tallinn und zahlreichen Festival-Teilnahmen, darunter auch beim Internationalen Film Festival Innsbruck, kommt Tereza Kotyks „Home is Here“ nun auch regulär in die heimischen Kinos. (jole)


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