Die Welt tut noch viel zu wenig

UNO: Will die Welt ihre Klimaziele erreichen, dann müssen 80 bis 90 Prozent der Kohlevorräte unter der Erde bleiben.

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Genf –Die Ziele des Klimaabkommens von Paris werden bei Weitem nicht erreicht, wenn alle Länder so weitermachen wie bisher. Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut dem UNO-Umweltprogramm (UNEP) um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen. Dieses mahnende Zwischenzeugnis mit Titel „8. Emissions Gap Report“ stellte UNEP am Dienstag in Genf vor.

In Paris hatten die Staaten vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, auf jeden Fall aber auf deutlich unter 2 Grad. „Es besteht dringend Bedarf, die kurzfristigen Maßnahmen zu beschleunigen und die langfristigen Ziele ehrgeiziger zu gestalten“, heißt es im UNEP-Report.

Das Ziel von höchstens zwei Grad durchschnittlicher Erwärmung gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden. Nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) ist es bereits jetzt 1,2 Grad wärmer. Es gibt also nur noch 0,3 Grad Spielraum. Und viele Wissenschafter warnen schon bei plus 1,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts vor für die Menschheit kaum tragbaren Folgen: Schmelzen der Eiskappen, Anstieg der Meeresspiegel, mehr Wetterextreme.

„Die alarmierende Zahl und Intensität der extremen Wetterlagen 2017, etwa die Hurrikans, Dürren und Überschwemmungen, machen es noch dringender, baldigst zu handeln“, heißt es in dem UNEP-Bericht. 2016 war das heißeste Jahr mindestens seit Beginn der Messungen 1880 und sogar das dritte Jahr in Folge, das den Temperaturrekord gebrochen hat.

Der weltweite CO2-Ausstoß von nun 35,8 Gigatonnen sei in den vergangenen drei Jahren relativ stabil geblieben, heißt es. Ein Grund zum Feiern sei dies aber nicht: Wenn weiter Kohlekraftwerke gebaut würden, könne der Ausstoß schnell wieder nach oben gehen. „80 bis 90 Prozent der weltweiten Kohlereserven müssen im Boden bleiben, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen“, so der Bericht. Dabei wirbt die US-Regierung gerade für eine Kohle-Renaissance.

Wenn das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden soll, dürften im Jahr 2030 höchstens noch rund 37 Gigatonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen werden (also neben Kohlendioxid auch Methan und Di­stick­stoff­oxid; im Vorjahr waren es 52,7 Gigatonnen). Bei Fortführung der heutigen Pläne dürfte der tatsächliche Ausstoß im Jahr 2030 noch 16 bis 19 Gigatonnen darüber liegen, berechneten die Klimaexperten. Selbst das 2-Grad-Ziel ginge sich damit nicht mehr aus.

Der Report des UNO-Umweltprogramms zeigt auch konkrete Wege, wie Länder kostengünstig CO2 einsparen können. Erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz, Aufforstung und Vermeidung von Waldzerstörung könnten mit relativ geringen Kosten umgesetzt werden – oder sogar Gewinne bringen. (TT, dpa)


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