Musik

“Kenotaph“ und “Alpensynphonie“: Trauer, Wut und ein Natur-Selfie

Die Münchner Philharmoniker brachten Thomas Larchers Symphonie „Kenotaph“ und Richard Strauss’ „Alpensymphonie“ nach Tirol.

Von Ursula Strohal

Innsbruck –Mit seiner zweiten Symphonie, sie trägt den Titel „Kenotaph“, hat Thomas Larcher 2016 international überrascht: „Wie können wir Tonalität finden, die in unserer Zeit spricht? Und wie können die alten Formen zu uns sprechen?“, fragt der ausgewiesene Kenner zeitgenössischer Musikströmungen und findet in unstillbarer Ausdruckssuche neue Ansätze. Auch wenn er die Symphonie rein klassisch in vier Teilen anlegt, mit großen Ecksätzen, die ein Adagio und ein Scherzo umschließen: ein bedeutendes, anspruchsvolles Werk, hoch emotional und doch in Larchers typischer Präzision konzentriert. Verdienstvoll, dass es durch die fabelhaften Münchner Philharmoniker unter der Leitung des Widmungsträgers Semyon Bychkov im Meisterkonzertzyklus präsentiert werden durfte.

In ständigen Verschiebungen von Farbe und Dynamik schäumt diese Musik hoch, elementar, beißend, hämmernd – und bekennt sich in ergreifenden Lyrismen. Durch das sich verdichtende, sich zerstreuende Tönenetz von Streichern und Bläsern kommen Momente von Akkordeon, (präpariertem) Klavier, Celesta und reich besetztem Schlagwerk. Der zweite Satz spricht von unstillbarer Trauer, das Scherzo wütet bis zum Zusammenbruch. Der kurze Ländler danach ist von beispiellosem Zynismus. Immer wieder ist die Grenze zur Formvorlage erreicht, auch überschritten. „Kenotaph“ (leeres Grabmal) als Titel ergab sich aus den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer zur Zeit der Komposition. Die hütet sich abzubilden, doch die Tatsache, die Erschütterung, das Mahnmal ist präsent.

Die Münchner Philharmoniker bekennen sich mit allen Kräften zu diesem Werk, durch das Bychkov souverän führt. Wie weit Larcher entfernt ist von Malerei, Kalkül und Geschwätzigkeit, zeigte dann „Eine Alpensymphonie“ von Richard Strauss, in der riesigen Besetzung unverblümt schildernd, ein Selfie in freier Natur. Brillant wiedergegeben und als das, was es ist, beeindruckend: ein virtuoses Jahrhundertwendestück.

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561