100. Geburtstag

Ettore Sottsass: Ein humorvoller Unruhestifter

Ettore Sottsass auf einer Fotografie aus den 1990er Jahren.
© imago/Leemage

Der 100. Geburtstag von Stardesigner Ettore Sottsass wird jetzt auch in seiner Geburtstadt Innsbruck begangen: „Form follows ... Fun!“ titelt ein Symposium an diesem Freitag.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Die knallrote „Valentine“ ist eine Design-Ikone des 20. Jahrhunderts, anzutreffen im New Yorker MoMA genauso wie im Wiener MAK. Ettore Sottsass entwarf die Reiseschreibmaschine 1969 für Olivetti – und plötzlich war ein simples Arbeitsgerät sexy. Sottsass’ Ruhm liegt freilich auch in jenen quietschbunten Möbeln und Objekten begründet, die ab den 1980er-Jahren über das von ihm zusammen mit Designerfreunden gegründete Kollektiv Memphis das Licht der Welt erblickten. Und Anhängern eines streng funktionalistischen Designs das postmoderne Fürchten lehrten. Der Planet Sottsass hat viele weitere Dimensionen – sie wurden dieses Jahr in einer Reihe von Ausstellungen ausgeleuchtet (die Schau „Ettore Sottsass – There is a Planet“ im Triennale Design Museum in Mailand ist noch bis März 2018 zu sehen).

Die Schreibmaschine ?Valentine?, die Sottsass 1969 für Olivetti entwarf, ist heute eine Design-Ikone.
© imago/UPI Photo

Anlass ist die 100. Wiederkehr seines Geburtstags: Ettore Sottsass wurde am 14. September 1917 als Sohn der Österreicherin Antonia Peintner und des italienischen Architekten Ettore Sottsass senior in Innsbruck geboren. Er starb 2007 in Mailand. Und gilt als einer der bedeutendsten Gestalter der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wozu ihn wohl auch der Drang gemacht hat, Dinge auf den Kopf zu stellen, mit Konventionen zu brechen. Sottsass, sagt Architekt Martin Feiersinger, sei ein „Unruhestifter“ im besten Sinne gewesen, „immer mit einem Augenzwinkern“ unterwegs. Feiersinger ist ein Sottsass-Experte, allein seine Sammlung an Publikationen zu Sottsass ist beträchtlich, zudem hat er über das gemeinsam mit Bruder Werner Feiersinger verwirklichte Projekt „Italomodern“ über die architektonische Nachkriegsmoderne in Oberitalien auch eine weniger beleuchtete Seite von Sottsass näher kennen gelernt: „Wir haben da wirklich einen toten Winkel ausgeforscht, nämlich Sottsass’ frühe Bauten“, sagt Feiersinger, der zum Thema auch im Rahmen des Sottsass-Symposiums der Uni Innsbruck am kommenden Freitag sprechen wird.

Zu Sottsass’ frühen Bauten gehört etwa eine Schule in Pedrazzo, die er in Zusammenarbeit mit seinem Vater geplant hat. In dessen Architekturbüro begann Sottsass nach dem Architekturstudium in Turin und nach den Kriegsjahren zu arbeiten, die Beschränktheiten des sozialen Wohnbaus der Nachkriegszeit seien ihm aber wohl zu eng gewesen, sagt Feiersinger. 1958 schmiss Sottsass jun. – der Vater war bereits 1953 gestorben – die Architektur hin – und ein prägendes Kapitel Designgeschichte begann.

Als sich der gefeierte Stardesigner später wieder der Architektur zuwandte, fand das unter völlig anderen Voraussetzungen – und hauptsächlich im Luxussegment statt: Er baute jetzt vornehmlich Villen für Superreiche und Kunstsammler.

Sottsass-Symposium

Der 100. Geburtstag von Ettore Sottsass ist Anlass für eine Tagung, die vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck in Kooperation mit dem Italien-Zentrum organisiert wird. Sie findet diesen Freitag, 17. November, im Claudiasaal in der Herzog-Friedrich-Str. 3/2 in Innsbruck statt. Ab neun Uhr Vorträge von internationalen Sottsass-Experten. Den Festvortrag (17 Uhr) hält der aus Hall gebürtige Künstler Max Peintner, ein Cousin von Ettore Sottsass.

Ein Memphis-Klassiker von Sottsass ist das Bücherregal ?Carlton? von 1981.
© Ettore Sottsass, Carlton, 1981 (