Hypo-Prozess „Hilltop“ - Zeugin: „Striedinger gab die Anweisung“

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess am Landesgericht Klagenfurt sind am Dienstagnachmittag die Zeugenbefragungen zum kroatischen Immobilienpr...

Klagenfurt (APA) - Im Hypo-Prozess am Landesgericht Klagenfurt sind am Dienstagnachmittag die Zeugenbefragungen zum kroatischen Immobilienprojekt „Hilltop“ fortgesetzt worden. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Hypo Consultants sagte aus, der damalige Hypo-Vorstand Günter Striedinger habe die Anweisung gegeben, was zu tun sei. Ihr sei das Geschäft damals aber plausibel erschienen.

Mit Striedinger angeklagt in der Causa „Hilltop“ sind der Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer und drei kroatische Geschäftsleute. Die Kroaten haben laut Anklageschrift im Jahr 2003 auf der kroatischen Insel Pag eine Liegenschaft über eine liechtensteinische Gesellschaft zu einem günstigen Preis erstanden und an die Hypo Consultants zu einem deutlich höheren Preis verkauft. Mit der Differenz wurden die notleidenden Kredite der kroatischen Firmen saniert.

Zu dem Thema „Anweisung“, fragte Striedinger-Verteidiger Sebastian Lesigang, ob sein Mandant Weisungen erteilt hätte, etwas zu tun, das Gesetzen oder Bankrichtlinien widersprochen hätte. „Nein, die hätte ich nicht ausgeführt“, antwortete die Zeugin.

Die entsprechende Anweisung sei in einem Gespräch mit Striedinger gekommen, in Folge sei jedoch die Bereichsleiterin Hauptansprechperson gewesen. „Ich war nicht das Hirn der Consultants, sondern nur diejenige, die das Vier-Augen-Prinzip gewährleistet hat“, sagte sie. Sie habe den Antrag mitunterschrieben, weil ihr der Kauf damals plausibel erschienen sei.

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Wer denn das Hirn gewesen sei, fragte die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Lisa Kuschinsky. Das sei unter anderem der Geschäftsführer der Consultants gewesen, antwortete die Zeugin. Dieser Geschäftsführer war nach ihr im Zeugenstand. Aber auch er wusste nicht mehr und spielte den Ball weiter.

Er sei in den Entscheidungsfall nicht eingebunden gewesen und habe die fertige Konstruktion auf den Tisch bekommen, erzählte er. Weder sei er in der Kundenbetreuung tätig gewesen und noch spreche er Kroatisch. Es habe damals nicht so viele Grundstücke mit Entwicklungspotenzial auf dem Markt gegeben, daher habe er den Ankauf der Liegenschaft auch befürwortet. Der Kaufpreis von 37 Mio. Euro sei aus seiner Sicht nachvollziehbar gewesen und er habe eine Möglichkeit gesehen, Gewinne zu erzielen. An ein Gutachten könne er sich nicht erinnern.

Auch er nannte die Bereichsleiterin als Ansprechperson, als diejenige, die Kontakt mit den involvierten Personen gehabt habe, über sie sei der Fall federführend gelaufen, von ihrer Abteilung seien auch die Informationen gekommen. Für ihn habe kein Zweifel an deren Darstellungen bestanden.

In einem Schriftstück ist von einem Mr. „P“ die Rede, der „bis Ende Jänner 2003 wirtschaftlicher Eigentümer der Hilltop Holding Anstalt“ werden sollte. Wer das gewesen sei, fragte die Richterin. Der Angeklagte oder dessen Bruder, der Firmenchef und Kunde der Hypo war. „Ich habe gar nicht gewusst, dass es zwei gibt“, antwortete die Zeugin.

Der damalige Geschäftsführer der Hypo Consultants wusste damals nach eigener Aussage ebenso wenig, wer Mr. „P“ war. Er habe auch erst heute erfahren, dass es zwei mit besagtem Namen gebe. Den Angeklagten erkannte er aber wieder. Er konnte aber nicht sagen, wann er ihn das erste Mal gesehen hatte.

Die Hauptverhandlung wurde für weitere Zeugeneinvernahmen auf Donnerstag vertagt.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA442 2017-11-14/17:01


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