Wörgl plant den nächsten Box-Angriff

Von wegen schlechtes Image: Tirols Box-Präsident Peter Knetsch schmiedet mit Ex-Bundestrainer Adolf Angrick in Wörgl große Pläne.

Mit geballter Box-Erfahrung leitet Adolf Angrick (M.) das Training für die Staatsmeisterschaften am Wochenende in Innsbruck.
© www.muehlanger.at

Von Benjamin Kiechl

Wörgl –Wie ein Schlag aus heiterem Himmel traf Tirols Box-Präsidenten Peter Knetsch jüngst die in der TT geäußerte Kritik von Box-Coach Joachim Pötschger, dass das Image des Boxens in Tirol „ganz schlecht“ sei und von 20 Kämpfern nur zwei aus Tirol kommen würden. „Es freut mich, dass sich jemand aus der Profi-Szene auch des Amateurbereichs annehmen will“, sagte Knetsch, der allerdings nicht nachvollziehen kann, warum Boxen in Tirol „tot“ sei: „Wir organisieren jeden Monat Wettkämpfe und hatten auf der Festung Kufstein schon über 2000 Leute.“

Kubat Sulejman, Sportlicher Leiter beim BC Unterberger Wörgl, pflichtet bei: „Ich finde es schön, dass in unserem Verein Boxer aus zehn Nationen kämpfen. Besser sie sind hier als in der Gosse.“ Neben den Zillertalern Christoph Geisler und Franz-Josef Dengg sei jeder Österreicher „herzlich willkommen“. Das Interesse am Boxsport sei groß, der Standort in Wörgl platze aus allen Nähten. Sulejman blättert die Anwesenheitslisten durch und notiert stets über 20 Athleten beim Training.

Das Krisengerede von Pötschger kommt zur Unzeit: An diesem Wochenende steigen in Innsbruck (Leitgebhalle) die Staatsmeisterschaften. Der BC Unterberger Wörgl hat zur Vorbereitung ein Box-Urgestein an Land gezogen. Adolf Angrick kann auf 50 Jahre Trainer-Erfahrung zurückblicken: ehemals DDR-Trainer („Ich bin sauber!“), bis 2008 Bundestrainer in Deutschland, bis Frühling 2017 Nationaltrainer in Österreich. Der gebürtige Magdeburger freut sich auf seine neue Aufgabe: „Boxen hat in Wörgl Tradition. Ich war schon lange mit dem Verein in Kontakt, wir haben uns gefunden und wollen zusammen etwas aufbauen!“

Der 73-Jährige sprüht vor Tatendrang. Wenn Angrick im roten Trainingsanzug den Raum betritt, wird es unter den Boxern mucksmäuschenstill. Mit einer neuen Gruppeneinteilung solle Ordnung ins System kommen.

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„Disziplin ist die Mutter des Erfolgs“, sagt Angrick, Pünktlichkeit sei wichtig. Er betont aber, kein „Preuße“ zu sein. „Es geht nicht, dass du zehn Minuten deine Socken suchst“, ermahnt er einen Nachzügler und fährt mit dem Training fort. Sauberes Boxen, schnelle Beinarbeit – feinste Boxschule, wie Box-Präsident Peter Knetsch anerkennend meint.

Noch wohnt Angrick im Hotel, eine langfristige Zusammenarbeit sei das Ziel. Knetsch holt aus der Schublade in seinem Büro ein Konzept für den nächsten Angriff: „Wir wollen ein Boxleistungszentrum in Tirol etablieren, an dem die Besten von Westösterreich trainieren.“ Gespräche mit dem SV Wörgl über zusätzliche Räume seien im Laufen. Knetsch hofft auf ein Miteinander in Tirol: „Auch Herr Pötschger ist eingeladen, sich zu engagieren.“


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