Ringen um Augenarzt im Außerfern geht weiter

Seit Jahren ist die Kassenstelle für einen Augenarzt im Bezirk ausgeschrieben. Jetzt gibt es einen neuen Lösungsansatz.

Die Augenarzt-Planstelle im Bezirk Reutte ist seit 2014 verwaist.
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Von Simone Tschol

Außerfern –Seit dem Pensionsantritt von Augenfacharzt Andreas Bitterich im Herbst 2014 ist die Kassenstelle des Augenfacharztes im Bezirk verwaist. Speziell bei Not­fällen gilt es ins nahe Allgäu oder über den Fernpass auszuweichen. Ein Umstand, den viele Außerferner für „nicht länger tragbar“ halten.

Arno Melitopulos, Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), kennt die Problematik. „Das ist kein bezirkstypisches, sondern ein generelles Problem. Es gibt prinzipiell zu wenig Augenärzte.“ Zudem würden die Fachärzte dazu tendieren, sich lieber in Ballungsräumen anzusiedeln. Melitopulos: „Das hat auch mit der Entwicklung auf diesem Sektor zu tun. Den Augenarzt, der nur konservativ tätig ist, gibt es nur noch selten.“ Viele der heutigen Augenfachärzte möchten auch operativ tätig sein. Dies ginge jedoch nur in Verbindung mit einem Krankenhaus, weiß der Chef der TGKK.

Für die Außerferner wäre es – allein schon aus geografischer Sicht – naheliegend, ins grenznahe Allgäu auszuweichen. „In dringenden Fällen geht das auch. Aber sonst sind die Ärzte dort auch nicht begeistert. Die sitzen ja nicht herum und warten, bis Außerferner Patienten kommen. Die haben die Wartezimmer selbst voll genug.“ Und eine Kooperation, wie etwa mit dem Herzzentrum in Füssen, sei nicht zustande gekommen. Melitopulos: „Wir wären bereit gewesen, einen speziellen Vertrag zu machen, aber das wollte die Gesundheitskasse AOK Bayern nicht. Und es wäre sicher auch keine Lösung auf Dauer.“

Stattdessen müsste versucht werden, die Arbeit auch außerhalb der Ballungszentren für Ärzte attraktiv zu machen. Im Fall eines Augenarztes etwa mit einer Ordination beim Krankenhaus, um auch operative Eingriffe zu ermöglichen. Melitopulos könnte sich beispielsweise vorstellen, eine Lösung rund um die seit 2011 dort bestehende Augentagesklinik umzusetzen: „Es wäre durchaus denkbar, eine Ordination zu schaffen, an der mehrere Ärzte abwechselnd tätig, die Patienten aber immer versorgt sind.“ Somit könnten Fachärzte aus dem Zentralraum Innsbruck je zwei oder drei Tage im Außerfern arbeiten, müssten aber nicht ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegen. „Wobei das Außerfern schön ist, aber wie wir alle wissen, ist der Weg von Innsbruck nach Reutte länger als jener von Reutte nach Innsbruck“, meint Melitopulos augenzwinkernd.

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Dass dies durchaus funktionieren kann, bestätigen die Zahlen der Augentagesklinik. Diese wird seit 2011 von Gerhard Kieselbach, Facharzt für Augenheilkunde & Optometrie mit Ordinationen in Telfs und Rum, geleitet. Pro Jahr bleiben den Außerfernern durch die ambulanten Operationen etwa 360.000 Autokilometer erspart.

Melitopulos: „Wir haben das Thema nicht vergessen. Und ich will es auch gar nicht schönreden. Aber wir müssen eine Form finden, die auch für Ärzte attraktiv ist.“


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