UN-Klimakonferenz - Atomlobby zeigt sich in Bonn als Bürgerinitiative

Bonn (APA) - Auf dem Bonner UN-Klimagipfel wird auch für Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel geworben. Mit lachenden Menschen, die Sc...

Bonn (APA) - Auf dem Bonner UN-Klimagipfel wird auch für Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel geworben. Mit lachenden Menschen, die Schilder wie „Wir brauchen Atome für die Zukunft“ oder der „Nuklear ist Teil der Lösung“ präsentiert sich „Nuclear for Climate“. Man nennt sich „Grassroots Initiative“, also eine Art Bürgerinitiative. Dahinter steckt die Atomlobby, weiß Reinhard Uhrig von Global 2000.

Das Infomaterial, das auf den zwei Ständen in Bonn zu finden ist, lässt dann auch keinen Zweifel offen: So findet sich etwa das „Factbook 2017“ der Canadian Nuclear Association (CNA), die die Atomindustrie Kanadas vertritt. Die CNA ist dann auch einer der Mieter der „Nuclear for Climate“-Stände, gemeinsam mit dem Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) oder dem Europäische Atomstromverband, Foratom, der schon vor zwanzig Jahren auf den Beitrag der Kernenergie zum Klimaschutz hinwies.

Ein paar Meter weiter findet sich auf dem Gelände der Klimakonferenz ein weiterer Stand namens „Don‘t Nuke The Climate“, einer COP23-Allianz aus mehreren NGOs, an der Global 2000 beteiligt ist. Deren Atomsprecher Uhrig bestreitet die Klimafreundlichkeit der Atomkraft durch niedere Treibhausgasemissionen: „Die derzeitige Einstufung ist zwölf Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde, was viel zu niedrig ist. Wenn man sich die gesamte Kette ansieht, also nicht nur das Atomkraftwerk, dann kommt man auf einen wesentlich höheren Wert“. Nimmt man den Abbau von der Mine und den Weg bis zur Endlagerung des radioaktiven Materials dazu, dann käme man auf 88 bis 146 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. „Damit ist das keine klimaförderliche Energiequelle“, lautet seine Feststellung.

„Nuclear for Climate“ beziehungsweise die dahinterstehende Atomlobby ist dabei nicht das erste Mal auf einer Klimakonferenz und will auch nicht alleine Werbung für die nukleare Sache machen, führte Urig weiter aus. „Seitdem sie verstanden haben, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig, sondern einfach am Sterben sind, versuchen sie sich als klimafreundliche Zukunftstechnologie zu verkaufen.“

Österreichs ablehnende Haltung zur Atomkraft sei daher notwendig, so Uhrig: „Es ist wichtig, dass Österreich dem etwas entgegen hält, dass Österreich klagt, dass Österreich jetzt schon sagt, dass man ein Veto einlegen wird, bei der Klimafinanzierung“. Auch Kumar Sundaram von der indischen NGO DiaNuke gehört zur COP23-Allianz und dankte für die Rolle Österreichs.

Das hat Gründe: Laut Uhrige will die Atomindustrie bei den Geldern des Green Climate Fund (GCF) der UN mitnaschen, also den jährlich 100 Milliarden US-Dollar, mit dem Entwicklungsländer auf erneuerbare Energie umsteigen sollen. „Theoretisch wäre es möglich, weil alle Low Carbon-Technologien gefördert werden können, jedoch ist Einstimmigkeit erforderlich“, erläuterte der Atomsprecher, denn im GCF kann Österreich ein Veto einlegen kann. Uhrig merkte aber an, dass Österreich achtgeben müsse, wegen zu geringem Beitrags nicht den Sitz zu verlieren. Statt 11,5 Mio. Dollar sollten 33 Mio. eingezahlt werden.

Sehr gut geschult seien die Mitarbeiter von „Nuclear for Climate“, sagte Uhrig. Sie bestünden mehrheitlich aus US-Amerikanern, einigen Finnen und einem Kanadier. Für die Stände sei viel Geld ausgegeben worden, Side-Events wurden und werden veranstaltet und gar Bananen verteilt, die angeblich radioaktiver wären als das Leben neben einem Atomkraftwerk. Am heutigen Mittwoch zeigten sich bei einem Besuch die beiden Stände jedenfalls menschenleer.

Die Atomkraft gibt sich insgesamt in der EU weiterhin aktiv. Anfang Oktober hat erst die Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg über Österreichs Klage gegen Staatsbeihilfen für das britische Atomkraftwerk Kernkraftwerk Hinkley Point C begonnen. Es ist der erste Reaktor-Neubau in Großbritannien seit rund zwei Jahrzehnten.

In 14 der 28 EU-Staaten werden derzeit AKW betrieben, die sich für knapp 30 Prozent der in der EU erzeugten Elektrizität verantwortlich zeigen. Diese 129 Reaktoren machen rund ein Viertel der weltweiten Zahl aus. Österreichs Haltung ist jedenfalls eindeutig, was diese Energieform betrifft. Hier zähle nur der Ausstieg, sagte Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) in Bonn.


Kommentieren