Paddington Bär

Herrlich haariger Held im Dufflecoat

© Constantin

Kinospaß für die ganze Familie: Der bezaubernde Chaos-Bär Paddington rast durch sein zweites Film-Abenteuer.

Von Bernadette Lietzow

Wien –Tätigkeiten wie Fensterputzen oder Haareschneiden sollte man vielleicht nicht an Bären auslagern, allemal braucht es Humor, dem ebenso sanftmütigen wie tollpatschigen Paddington Heim oder Haupt anzuvertrauen. Für Heiterkeit beim Kinozuseher sorgen derartige Bemühungen des Kuschelbären, den es samt seiner Liebe zu Orangenmarmelade aus Peru nach London, mitten hinein in Haus und Herz der liebenswerten Familie Brown verschlagen hat, ganz gewiss.

Paddington, der sich zum Liebling des idyllisch-gutbürgerlichen Grätzels gemausert hat, sucht sich einige Jobs, denn er braucht dringend Geld. Der 100. Geburtstag seiner in der fernen südamerikanischen Heimat lebenden Tante Lucy steht bevor und er hat beim Antiquitätenhändler Mr. Gruber (Jim Broadbent) das ideale, leider kostspielige Geschenk entdeckt: ein altes Pop-up-Bilderbuch über Londons Sehenswürdigkeiten. Dass dieses Buch ein Geheimnis birgt und eine verdeckte Schatzkarte darstellt, für die sich auch der abgehalfterte und rechtschaffen irre Schauspieler Phoenix Buchanan (Hugh Grant) interessiert, löst eine Lawine von nicht ganz ungefährlichen Abenteuern aus. Weil Buchanan, den Grant als ulkig-bitterbösen Dandy gibt, ein wendiger Fiesling ist, muss der arme Paddington seinen blauen Dufflecoat gegen graugestreifte Sträflingskleidung tauschen und sich zwischen finsteren Mithäftlingen bewähren.

Eine rote Socke wird ihm in der Gefängniswäscherei zum Verhängnis und dass die schweren Jungs unter der Leitung des anfänglich äußerst ungemütlichen Knuckles (Brendan Gleeson), nun rosa gewandet, freiwillig pastellfarbene Naschereien backen, geht auch auf die Kappe des harmoniebegabten Helden wider Willen. Es wäre nicht die reizende Familie Brown, würde diese nicht ihrem haarigen Mitglied aus der Patsche helfen. Papa Brown (Hugh Bonneville) steckt zwar in der Midlife-Crisis und die Mama (Sally Hawkins) ist in den Augen von Sohn und Tochter noch immer etwas zu bunt, aber das hindert die vier im Verein mit der findigen Mrs. Bird (Julie Walters) nicht, Paddington rettend zur Seite zu stehen. Wie sein Vorgänger beweist auch das Sequel, dass es sich lohnt, auf hervorragende Schauspieler zu setzen, denen man den Spaß an der jeweiligen Rolle in jeder Minute ansieht. Zudem setzt Regisseur Paul King, der auch das Drehbuch verantwortet, gemeinsam mit seinen Ausstattern auf große Genauigkeit: Bis in die kleinsten Details blitzt da Humor durch, wenn etwa die Knast-Zeitung „Hard Times“ heißt oder Phoenix Buchanans Schauspielerwohnung übergeht mit Fotos von Hugh Grant. Gewohnt erstklassig, auch für Technik-Verächter, glücken die Animationen, ist doch der flauschige Trick-Bär ein Schauspieler wie alle, dem in der deutschen Fassung zudem Publikumsliebling Elyas M’Barek seine Stimme leiht. Ob es unbedingt notwendig war, in „Paddington 2“ noch üppiger auf rasante Action zu setzen, sei dahingestellt. Gut gemachte und fröhliche Vorweihnachtsunterhaltung für Klein und Groß ist das Bärenabenteuer auf alle Fälle.