Schwarzenegger, Schiffer und schniefen: Bambi-Verleihung 2017
Tränen bei Diane Kruger, Auftritte von Helene Fischer, eine Kampfansage von Arnold Schwarzenegger, und auch sonst ein bisschen Hollywood: In Berlin ist am Donnerstagabend zum 69. Mal der Medienpreis Bambi verliehen worden. Viele Auftritte bleiben diesmal ungewöhnlich ernst – selbst die von Stars, die man sonst vor allem in unterhaltenden Rollen kennt.
Berlin — Claudia Schiffers Auftritte sind inzwischen selten. Das merkt man bei der Bambi-Gala. Schon vor ihrer Ankunft ist sie am — diesmal schwarzen — Glitzerteppich Gesprächsthema Nummer eins. Die Fotografen drehen auf, als sie ankommt. Sie sei diesmal etwas aufgeregt, schließlich müsse sie ja auf die Bühne und eine Rede halten, sagt Schiffer, die sich äußerlich kaum verändert hat. Besonders höflich, fast scheu wirkt sie. Schon vor mehr als 20 Jahren bekam sie einen Shootingstar-Bambi, nun wird sie für ihre inzwischen 30-jährige Karriere mit dem Fashion-Bambi geehrt.
Ungewöhnlich ernst ist die Gala an diesem Abend im Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Als Diane Kruger gemeinsam mit Regisseur Fatih Akin den Sonderpreis der Jury für das NSU-Drama „Aus dem Nichts" entgegennimmt, wird sie emotional. „Wenn ich etwas von diesem Film gelernt habe, dann, dass wir jede Sekunden mit den Menschen, die wir lieben, nutzen und genießen sollten", sagt Kruger. Ihr kommen die Tränen. „Ich denke heute Abend besonders an zwei Menschen, mit denen ich gern noch ein paar Sekunden gehabt hätte. Mein Stiefpapa und meine Oma."
Auch bei anderen Preisträgern geht es an diesem Abend um ihre Liebsten. „Da ist jemand, der mich auffängt, mich in den Arm nimmt und mir die Last nimmt", sagt Helene Fischer zu ihrem Freund Florian Silbereisen. „Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." Fischer hatte mit ihrem Auftritt — im ultraknappen Glitzerbody — die Show eröffnet und einen Bambi in der Kategorie Musik national bekommen. Aber auch internationale Musikstars wie Tom Jones, Rita Ora oder Sam Smith traten auf.
Schwarzenegger will für immer „Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen"
Hollywoodstar und Frauenschwarm Hugh Jackman, der den Entertainment-Bambi erhielt, kam ohne seine Frau Deborra-Lee Furness nach Berlin — sie müsse auf die Kinder aufpassen, sagt er. Sie habe ihm beigebracht, Spaß zu haben, jeden Tag zu genießen und: „Was wirklich leidenschaftliche Liebe heißt, dass das keine Legende ist, sondern wirklich Realität." Die beiden sind seit mehr als 20 Jahren verheiratet.
Es geht auch um Courage. Der chinesische Künstler Ai Weiwei bekommt in der Fernsehshow einen Bambi in der Kategorie Mut. „Er kämpft nicht gegen etwas, sondern für etwas. Für eine Welt, die allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht — in Freiheit, aber vor allem auch in Würde", sagt Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in seiner Laudatio. Eine bessere Welt komme nicht von allein.
Actionstar und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger wird mit dem Bambi für sein Engagement im Umweltschutz und als „Klimavorreiter" geehrt. „Ich hab viel in meinem Leben gemacht, aber ich bin am stolzesten auf meine Arbeit für die Umwelt", sagt Schwarzenegger, der sich immer wieder gegen die Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump stellt. „Ich werde das für den Rest meines Lebens machen: Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen." Außerdem outet sich der „Terminator"-Star als Fan der Klitschko-Brüder. „Normalerweise hasse ich Leute, die größer sind als ich." Aber die Klitschkos seien großartig.
Der frühere deutsche Bundespräsident Joachim Gauck wird in der Kategorie Millennium für sein Lebenswerk gewürdigt — für seinen Kampf gegen jede Form von Unterdrückung. „Ich glaube, ich sollte diesen Bambi mit all denen teilen, die irgendwann freiwillig etwas tun über ihr Ego hinaus. Und das macht das Land schön, dass es so etwas gibt." Und sein Bambi, das will er nicht mehr hergeben. Er sei Großvater, aber auch mehrfacher Urgroßvater und wolle das goldene Tier so hinstellen, dass auch die Kleinen Freude daran haben.
Die Preisträger 2017
SONDERPREIS DER JURY: Der Film „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin mit Diane Kruger
SCHAUSPIELER NATIONAL:
Heino Ferch („Allmen“ und „Spuren des Bösen“)
SCHAUSPIELERIN NATIONAL:
Alicia von Rittberg („Charité“)
FILM NATIONAL:
„Willkommen bei den Hartmanns“
ENTERTAINMENT:
Hugh Jackman
MUSIK NATIONAL:
Helene Fischer
COMEDY:
Monika Gruber
SPORT:
Wladimir Klitschko
LEGENDE:
Tom Jones
FASHION:
Claudia Schiffer
MILLENIUM:
Joachim Gauck
MUT:
Ai Weiwei
PUBLIKUMSBAMBI MODERATION:
Kai Pflaume
UNSERE ERDE:
Arnold Schwarzenegger, Melati und Isabel Wijsen („Bye Bye Plastic Bags“)
STILLE HELDEN:
Krankenschwester Waltraud Hubert
Flüchtlingskomödie ist Film des Jahres
Heino Ferch (54) und Alicia von Rittberg (23) wurden mit dem Preis in der nationalen Schauspiel-Sparte ausgezeichnet. Ferch bekam das goldene Rehkitz für seine Rollen in der Martin-Suter-Verfilmung „Allmen" und den Thriller „Spuren des Bösen". Von Rittberg freute sich über die Trophäe für die Klinikserie „Charité". Zum besten Film kürte die Jury die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns". Der Medienkonzern Hubert Burda Media verleiht die Bambis jedes Jahr an nationale und internationale Künstler, Sportler und andere Prominente. Aber auch engagierte Bürger, die sich für eine gute Sache einsetzen, werden mit dem Preis geehrt. (Sophia Weimer, dpa)