Bühne

Klamotte ganz ohne Klamotten

© Kellertheater

Klaus Rohrmoser und Bernhard Wolf als „Zwei Männer ganz nackt“ im Kellertheater.

Innsbruck –Der französische Autor Sébastian Thiéry sorgte 2015 für Schlagzeilen, weil er sich bei der Verleihung der Molière-Theaterpreise vollkommen nackt auf die Bühne stellte, um die prekären Arbeitsbedingungen von Gegenwartsdramatikern anzuprangern. Ob sich auch Thiérys Stück „Zwei Männer ganz nackt“, dafür war er damals nominiert, als politisches Statement lesen lässt, ist hingegen fraglich.

„Zwei Männer ganz nackt“, seit Samstag im Innsbrucker Kellertheater, ist eine Klamotte, die nach krachend-komischem Drunter und Drüber in einem offenen Ende gipfelt. Er lege es nie auf Antworten an, erklärte Thiéry einmal. Sondern ziehe es vor, Fragen auszugestalten. Reichlich rätselhafte Frage: Warum erwachen der Anwalt Alain (Klaus Rohrmoser) und sein Kompagnon Prioux (Bernhard Wolf) nicht einmal, sondern gleich zweimal nackt auf einer Couch? Wieso können sie sich nicht erinnern, was davor geschah? Was hat es mit einem als Dienstreise getarnten Rendezvous auf sich? Kann der leidlich lieblos verheiratete Alain einfach nicht allein sein? Hat Prioux unlautere Absichten? Wurde die Posse von Alains Frau, einer resoluten Osteopathin (Luka Oberhammer) inszeniert, die Alain zum überfälligen Outing bewegen wollte? Oder ist doch dunkeldeutscher Voodoo am Werk?

So wirklich wichtig ist das nicht. Jede Variante ist bloßer Vorwand für Situationskomik, für Verrenkungen, verstörte Blicke und mit minutiöser Präzision gesetzte Pointen. Regisseur Manfred Schild hat seine Inszenierung mit einfachsten Mitteln auf das launige Ensemble zugeschnitten: Klaus Rohrmoser zieht als Alain alle Register, als geübter Verhandler trumpft er selbst dann wortreich auf, wenn er auf verlorenem Posten steht. Bernhard Wolf verleiht Prioux’ Verwirrung eine immer wieder aufblitzende Abgründigkeit, die den Tölpel irgendwie verdächtigt macht. Luka Oberhammer tobt mit entschlossener Miene – und entwickelt daraus eine feine Studie zwischenmenschlicher Verletzlichkeit. Die Kellertheater-Debütantin Marie-Christine Bawart hingegen darf als eilig engagiertes Escort-Girl das bunte Treiben mit verständnislosem Blick kommentieren. Ihr geht es letztlich wie dem Publikum: Man versteht zwar nicht, was wirklich Sache ist – und fühlt sich trotzdem blendend unterhalten. (jole)

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561