Filme, die Kulturgrenzen überschreiten

Binationale Ehen oder die Musik von Migranten in Tirol: Der in Igls lebende Filmemacher Eric Bayala spürt dem brisanten Thema Interkulturalität nach.

© Markus Stegmayr

Von Markus Stegmayr

Innsbruck –Seit 2003 lebt Eric Bayala aus Burkina Faso in Igls. Er ist Musiker und Lyriker, vor allem aber leidenschaftlicher Regisseur und Co-Regisseur von Dokumentarfilmen mit interkulturellem Fokus. Das erfüllt ihn, sichert dem Vater von drei Mädchen aber nicht den Lebensunterhalt. Seinem eigentlichen Beruf geht Bayala im Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT) nach.

„Meine Leidenschaft für Filme begann früh“, erzählt Bayala. Bereits als Kind habe er in Burkina Faso mit einfachsten Mitteln Geschichten auf die Wände projiziert. Träume nennt Bayala als Ursprung dieser Geschichten. Beeinflusst haben ihn damals aber auch Comics, zumal er in den 80er-Jahren im Gegensatz zu mehr als 80 Prozent der Kinder in Burkina Faso lesen und schreiben konnte.

Später bekam das Schaffen von Bayala eine politische Dimension: Ein Film über die Ausbeutung von Bauern in seinem Heimatland wurde von der Regierung vernichtet. Mit Rap fand er Wege, um als „junger Sozialist“ Themen wie Frauenrechte anzusprechen.

2002 brachte ihn zuerst ein UNO-Projekt nach Seibersdorf (NÖ), später dann die Liebe nach Tirol. In Igls angekommen, begann sich Bayala mit dem Thema Masken zu beschäftigen. „Weg der Masken, Weg des Windes“ heißt die Doku, die Masken des Imster Schemenlaufens jenen aus Burkina Faso gegenüberstellt. Damit begann Bayalas Beschäftigung mit Interkulturalität. So setzte er sich in „Es ist, was es ist“ (2013) mit binationalen und interkulturellen Ehen auseinander. „Liebe hat nichts mit Hautfarbe, Herkunft oder Religion zu tun“, meint der Regisseur. Natürlich gebe es in diesen Ehen ebenfalls Konflikte. „Mit Liebe und Geduld kann man aber eine Art ‚dritte Kultur‘ schaffen. Man geht über die zwei Kulturen hinaus und lebt in einer ganz eigenen Welt.“

Die Möglichkeit dieses „dritten Raumes“ sieht Bayala auch in der Musik. Sein aktuelles Werk „Widerklang der Seele“ – das am heutigen Donnerstag um 20.25 Uhr im Leokino Premiere feiert und abermals durch seinen Verein „Sahel Tirol“ umgesetzt wurde – nimmt die migrantische Tiroler Musikszene in den Blick. „Es ist eine Bereicherung für Musiker, Harmonien und Rhythmen aus anderen Ländern zu hören, gemeinsam zu musizieren und voneinander zu lernen“, betont Bayala. „Diese Musik ist nicht mehr exotisch, sie gehört zu Tirol.“ Generell sind seine Filme der Versuch, ein realistisches Bild der Gegenwart in Tirol zu zeigen, in dem Migranten und ihre Hoffnungen, Konflikte und Lieder längst angekommen sind.


Kommentieren


Schlagworte