Mohr-Ausstellung wird abgebaut

Seit 2009 widmet sich im Fuchsturm der Festung Kufstein eine Ausstellung dem Textdichter Joseph Mohr. Im neuen Festungskonzept ist kein Platz mehr dafür. Deshalb kommt Kritik von der „Stille-Nacht-Gesellschaft“.

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© Top City

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, ist in der Kufsteiner Festung bereits seit 2009 das Thema „Stille Nacht“ vertreten. Die Sonderausstellung zum „Kufsteiner Mohr“ (gemeint ist der „Stille Nacht“-Autor Joseph Mohr) wurde damals im Rahmen des Kufsteiner Weihnachtszaubers von der Top City im Fuchsturm initiiert. Dabei geht es um Joseph Mühlbacher (1866–1933), einen Geistlichen, der auch ein hochtalentierter Künstler war. Der ehemalige Pfarrer in Kufstein Zell ist Schöpfer der Joseph-Mohr-Figur, des so genannten „Kufsteiner Mohr“, sowie des Franz-Xaver-Gruber-Joseph-Mohr-Denkmals in Oberndorf bei Salzburg.

Mühlbacher hatte bereits vor seiner Kufsteiner Zeit den Auftrag, eine Büste von Joseph Mohr anzufertigen, erhalten. Da von Mohr jedoch kein authentische­s Porträt vorhanden war, bat er um Exhumierun­g des Schädels von Mohr, um diesen als Vorlage benutzen zu können. Dies wurde genehmigt, das Grab in Wagrain wurde geöffnet. Mühlbacher begann in Wien am Relief zu arbeiten, dabei empfand er die Züge dem Schädel nach. Der Schädel kam dann von Kufstein nach Oberndorf und wurde dort 1937 in die Stille-Nacht-Kapelle quasi als Reliquie eingemauert.

Die Geschichte des Kop­fes samt Fotos, u. a. von der Aufbahrung Mohrs, hat Mühlbacher in seinem Werkbuch festgehalten. Nachforschungen des Heimatforscher Martin Reiter beim Kustos des Heimatmuseums Kufstein, Hugo Oberkofler, brachten nun das Buch an die Öffentlichkeit. Reiter fand im Werkbuch Mühlbachers, das er als Benefiziat in Radstadt begonnen hatte, tatsächlich ein Foto des in Wagrain exhumierten Schädels des Textdichters Joseph Mohr. Für den Präsidenten der Stille-Nacht-Gesellschaft, Michael Neureiter, eine Sensation, wie er der TT sagt. Daher herrscht bei ihm Bedauern, dass nun der Ausstellungsraum aus der Festung verschwinden wird.

Die Top City ist unter dem neuen GF Emanuel Präauer nämlich derzeit dabei, das gesamte Ausstellungskonzept der Festung zu durchforsten und zu erneuern. Dabei wird das Thema Stille Nacht bzw. Joseph Mühlbacher keinen Platz mehr finden. „Weil es für die Festung eher unbedeutend ist. Es ist uns ein großes Anliegen, unseren Gästen zukünftig eine zusammenhängende Erzählung zur Festungsgeschichte zu bieten“, sagt Präauer zur TT. Dazu werden die Ausstellungsräume adaptiert, u. a. der Fuchsturm.

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Ein Umstand, den man bei der Stille-Nacht-Gesellschaft kritisiert. Präsident Michae­l Neureiter erinnert in einer E-Mail die Kufsteiner daran, dass „ausgerechnet am Beginn des Jahres 200 Jahre Stille Nacht, das auch in Tirol engagiert vorbereitet wird, eine gelungene Ausstellung zu Joseph Mohr und Joseph Mühlbacher geschlossen wird“. So wie es derzeit geplant ist, wird zumindest 2018 die Ausstellung noch zu sehen sein, der Umbau soll erst Anfang 2019 erfolgen. „Selbstverständlich werden wir mit den Leihgebern der Exponate versuchen, einen passenden bzw. repräsentativen Platz für den Kufsteiner Mohr zu finden“, sagt Präauer.


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