OeAD-Chef: Brauchen wieder mehr Willkommenskultur

Wien (APA) - Der Geschäftsführer des Österreichischen Austauschdiensts (OeAD), Stefan Zotti, plädiert angesichts der Regierungsverhandlungen...

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Wien (APA) - Der Geschäftsführer des Österreichischen Austauschdiensts (OeAD), Stefan Zotti, plädiert angesichts der Regierungsverhandlungen für „einen Kulturwechsel wieder in Richtung Willkommenskultur“ für internationale Studenten und Forscher. „Die Entwicklungen der letzten Jahre im Fremdenrecht machen es eher schwierig, tolle Leute nach Österreich zu bringen“, so Zotti zur APA.

Der OeAD ist die heimische Agentur für internationale Mobilität und Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Mit einem Budget von 60 Mio. Euro werden etwa das Erasmus plus-Programm abgewickelt, internationale Studenten und Forscher in Sachen Fremdenrecht beraten, akademische Kooperationen gefördert und Public-Science-Programme koordiniert.

„Es ist absurd, wenn man tolle Post-docs oder Junior-Professoren aufgrund ihrer akademischen Exzellenz nach Österreich holt und die erste Frage ist dann, ob sie das Äquivalent eines Maturazeugnisses nachweisen können oder zumindest den Abschluss einer mittleren Schule“, so Zotti. Daneben spiele es auch eine Rolle, wie man mit den mitkommenden Angehörigen umgehe. „Die Zeit, wo der Herr Professor ins Ausland geht und die Frau mitkommt, ohne irgendeine Jobperspektive zu haben, ist Gott sei Dank vorbei.“

Daher müsse man dem Partner auch etwas anbieten bzw. für optimale Schulen und Kinderbetreuung sorgen. „Wir diskutieren aber eher, ob die Ehepartner Deutsch vor dem Zuzug nachweisen müssen. Natürlich macht es Sinn, dass die Leute, wenn sie zu uns kommen, Deutsch lernen. Aber es ist eine Frage, welches Signal sende ich aus?“ Zotti wünscht sich daher etwa garantierte kürzere Verfahrensdauern bei Aufenthaltstiteln - etwa zwei Monate bei Antragstellung im Inland und drei Monate aus dem Ausland, eine verpflichtende Anerkennung englischsprachiger Dokumente durch die Behörden sowie Ausnahmen bei der Integrationsvereinbarung für Familienangehörige von Forschern. Außerdem sollten für „Visa D“ und Aufenthaltsbewilligungen für Studenten und Forscher keine Gebühren anfallen.

Mit Stand September waren für Forscher rund 700 Aufenthaltsbewilligungen vergeben. Dazu kamen noch mehr als 200 Rot-Weiß-Rot-Karten plus für Familienangehörige sowie 15.600 Aufenthaltsbewilligungen für Studenten aus Drittstaaten. Weiters gab es mehr als 2.000 Aufenthaltsbewilligungen für „Sonderfälle unselbständiger Erwerbstätigkeit“ (darunter fallen neben Forschern auch andere Kategorien wie z.B. Stipendiaten) und hier knapp 300 Aufenthaltsbewilligungen „Familiengemeinschaft mit Forschern“ und 600 Aufenthaltsbewilligungen für „Familiengemeinschaft mit Sonderfall unselbständiger Erwerbstätigkeit“.

Darüber hinaus bedürfe es der grundsätzlichen Anerkennung, dass Internationalisierung ganz zentraler Faktor des Bildungssystem ist: „Das ist nicht nur ein Nice-To-Have und ganz schön, dass ein paar Studierende einmal ins Ausland gehen.“ So brauche man etwa neue Offensivmittel, um Institutionen bei der Erschließung neuer strategischer Partnerschaften mit Einrichtungen aus neuen Regionen zu unterstützen.

„Man muss schauen, wo geht die Post ab, wo wollen wir hingehen?“, meinte Zotti. Als Beispielländer nannte er den Iran, Russland und China. Dort könne man aber im Regelfall nicht mit leeren Händen hingehen. „Da geht es um Anschubfinanzierungen für gemeinsame Projekte oder gemeinsame Curricula. In Österreich hat man als engagierter Professor beim Rektor weniger Probleme, wenn man sagt, ich habe da eine tolle US-Uni an der Hand. Wenn man sagt, da gibt es eine spannende georgische Uni, dann ist es gut, wenn für Kooperationen oder Forschungsprojekte jenseits des Mainstream eine Startfinanzierung zur Verfügung steht.“

Zentrales Instrument bei der Internationalisierung ist für Zotti auch die Digitalisierung: „Es wird nie gelingen, 60 oder 70 Prozent der Studierenden ins Ausland zu schicken. Aber das kann ja nicht heißen, dass wir dem Rest nicht internationale Erfahrungen eröffnen wollen.“ Dafür seien einerseits mehr digitale Lernmittel und andererseits eine technische, ressourcenmäßige und didaktische Aufrüstung nötig.

Das müsse schon in den Schulen beginnen: Zwar gebe es bereits jetzt eine steigende Anzahl an E-Books in der Schulbuchaktion. „Bei näherer Betrachtung ist das dann aber oft die pdf-Ausgabe eines bestehenden Buchs.“ Deshalb solle die Verpflichtung wegfallen, dass das jeweilige Lehrmittel auch in Printform vorliegen muss. Schließlich bedürfe es auch Änderungen in der Lehrerausbildung: „Ich brauche keine Whiteboards in den Klassen, wenn mein didaktischer Zugang der gleiche ist wie mit Tafelkreide.“


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