Staatssekretärin Duzdar zu EU-Afrika-Gipfel nach Abidjan

Wien/Abidjan (APA) - „Ich halte es für einen wichtigen Schritt, dass bei diesem Gipfel erstmals das Thema Jugend in den Mittelpunkt gerückt ...

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Wien/Abidjan (APA) - „Ich halte es für einen wichtigen Schritt, dass bei diesem Gipfel erstmals das Thema Jugend in den Mittelpunkt gerückt wird.“ Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) wird Österreich beim 5. EU-Afrika-Gipfel vertreten, der Mittwoch und Donnerstag in der ivorischen Metropole Abidjan stattfindet - und ungeachtet aller Generalthemen wieder vom Problem der Migration geprägt sein wird.

Zum einen, weil die CNN-Reportage über den Sklavenhandel mit afrikanischen Migranten in Libyen die Frage der afrikanischen Einwanderung nach Europa noch weiter in den Focus gerückt hat, als sie es ohnehin schon war - und die Maßnahmen, die Europa dagegen zu treffen bereit ist. Zum Anderen, weil, wie auch die Staatssekretärin weiß, „60 Prozent der Menschen in Afrika jünger als 25 Jahre sind, womit auch mit einem starken Anwachsen der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten zu rechnen ist.“

Tatsächlich rechnen UNO-Experten damit, dass die Bevölkerung Afrikas, die sich innerhalb der letzten 25 Jahre bereits auf 1,2 Milliarden fast verdoppelt hat, das bis 2050 voraussichtlich wieder tun wird. Unausgesprochene Folge: Die Zahl jener, die ihren Ausweg aus Armut und Hoffnungslosigkeit in der Flucht nach Europa suchen, wird weiter wachsen - mit allen potenziellen Begleiterscheinungen, vor allem ihrer Ausbeutung durch kriminelle Schlepper einerseits und radikale Islamisten anderseits.

Die Staatssekretärin bleibt optimistisch: „Ich begrüße den Gipfelprozess zwischen der Afrikanischen und der Europäischen Union und damit den politischen Dialog zwischen den beiden Kontinenten, deren Herausforderungen untrennbar miteinander verbunden sind, die aber auch eine große Chance bieten. Nur im Dialog kann man diese Chancen nützen, gleichzeitig sich den Herausforderungen zu stellen.“ Duzdar geht davon aus, dass der Gipfel sich um die Themen Frieden und Sicherheit, Bildung, Mobilität, nachhaltige Entwicklung und Wirtschaft drehen wird. Daher sei es notwendig, die Frage der umfassenden Ausbildung und beruflichen Perspektive, aber auch der sexuellen Reproduktion“ zu behandeln.

In Abidjan werden sich Staats- und Regierungschefs sowie Minister der 28 EU-Staaten mit 55 afrikanischen Amtskollegen austauschen. Aus Brüssel kommen Ratspräsident Donald Tusk, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Parlamentspräsident Antonio Tajani und die Außenbeauftragte Federica Mogherini, die Afrikanische Union wird durch ihren derzeitigen Vorsitzenden, den Präsident Guineas, Alpha Conde, und Roger Nkodo Dang, den Präsidenten des Panafrikanischen Parlaments, vertreten sein.

Eine weitere Aufstockung der finanziellen Beiträge Europas zur Förderung von Entwicklung, Stabilität und Frieden in Afrika steht derzeit jedenfalls nicht zur Debatte. Einerseits wurden laut offiziellen Zahlen allein im vergangenen Jahr von der EU und ihren Mitgliedstaaten 21 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe bereitgestellt. Anderseits beklagte Juncker erst vor wenigen Wochen, dass die EU-Staaten für den insgesamt mit 3,2 Milliarden dotierten EU-Afrika-Treuhandfonds bisher lediglich 175 Millionen Euro aufgebracht hätten. Aus dem Fonds, der 2015 beim EU-Gipfel in Malta auch „zur Bekämpfung der Ursachen von irregulärer Migration und Vertreibungen in Afrika“ eingerichtet wurde, waren zuletzt zusätzliche Mittel für Libyen bereitgestellt worden.


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