Bitcoin: Zukunft oder Trugbild?

IT-Experten sind begeistert, Nationalbankchef Ewald Nowotny sieht Bitcoins als reines Spekulationsobjekt. Wie etwa Gold gibt es nur eine bestimmte Menge davon. Derzeit ist die Nachfrage groß, was den Preis in die Höhe treibt.

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Symbolbild
© REUTERS

Von Verena Langegger

Innsbruck –Die Erfolgsgeschichte des Bitcoins scheint weiterzugehen. Montagmorgen entwickelte sich der Kurs in Richtung der Marke von 10.000 US-Dollar. Zeitweise stieg der Bitcoin je nach Handelsplattform auf über 9700 Dollar, also umgerechnet 8167 Euro. Im Vergleich zum Freitag ist das ein Kursgewinn von immerhin fast 18 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert eines Bitcoins überhaupt verzehnfacht. Auch in Tirol werden Bitcoins gehandelt. Ein Tiroler hatte vergangene Woche allerdings kein Glück mit der virtuellen Währung, er meldete seinen Laptop in einem öffentlichen Netzwerk an, worauf von Unbekannten auf sein so genanntes „Bitcoin Wallet“ – seine virtuelle Geldbörse, die meist am Laptop gespeichert ist – zugegriffen und die Bitcoins transferiert wurden. Von wem, kann nicht nachvollzogen werden, die Daten sind ano­nymisiert.

Um im Internet tatsächlich sicher unterwegs zu sein, müsse auf die Passwörter, die im Internet verwendet werden, gut aufgepasst werden, erklärt IT-Experte Christoph Holz, selbst Besitzer von Bitcoins und Obmann der Fachgruppe UBIT in der Wirtschaftskammer Tirol. „E-Mails sind meist uninteressant, aber bei Bitcoin geht es derzeit um viel Geld.“ Deshalb hat sich Holz etwa die Hälfte seiner Codes in einem Chip implantieren lassen.

Ein Zettel mit den wichtigsten Codes und Passwörtern, die in einem Safe versperrt werden, tut es aber wohl auch. Codes? Implantate? Virtuelle Währung? Das klingt nach Science Fiction, Holz beruhigt: „Währung ist immer eine Erfindung. Auch die Sumerer haben im zweiten Jahrtausend vor Christus eine Form von Geld erfunden. Und jetzt braucht das Internet als Ort der Information ein Bezahlsystem.“

Wer Bitcoins hat, könne sich die Bank und damit die Bankgebühren sparen, denn über eine Zahlenkombination, die so genannte Blockchain, können Geldgeschäfte getätigt werden, transparent und nachvollziehbar für alle, die das System nutzen. „Das Bankkonto ist also nicht auf der Bank, sondern direkt am Laptop“, erklärt Holz. Oder am Handy, in Zürich kann sogar im Kaffeehaus mit Bitcoin bezahlt werden. Das funktioniert dann mit einem QR-Code an der Kasse. Klingt eigentlich nicht allzu kompliziert, eine gewisse Affinität zur digitalen Welt vorausgesetzt. Haptische Menschen, die ihre Münzen und Scheine lieber erst angreifen, bevor sie ausgegeben werden, dürften mit virtuellen Geldbörsen wenig Freude haben. Kriminelle könnten angelockt werden, eine Durchführung sei aber schwierig. Denn im Gegensatz zu Bargeld könnten die Transaktionen von Kryptowährungen eben permanent nachvollzogen werden. Regulierungen gebe es aber – wie bei allen neuen Technologien – noch kaum.

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Genau davor und vor fehlender Stabilität der Cyber-Währung warnt Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny. Er wolle Menschen wissen lassen, worauf sie sich einlassen. Bitcoins seien ein „Spekulationsobjekt“. Es gebe keine Kapitalkontrollen, alles basiere rein auf dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Einziger Fixpunkt: Bis 2130 sollen – laut Berechnungen eines Algorithmus – höchsten 21 Mio. Bitcoins im Umlauf sein.

Die Digitale Währung Bitcoin

Was ist Bitcoin? Die digitale Währung ist seit 2009 in Umlauf. Im Gegensatz zu etablierten Währungen werden Bitcoins nicht von Zentralbanken erzeugt, sondern dezentral von vielen Menschen mit Computern errechnet. Das soll einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Als Urheber gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt, ist unklar.

Wie funktioniert das System? Hinter Bitcoin steht die so genannte Blockchain-Technologie, die auch als digitaler Kontoauszug bezeichnet wird. In den miteinander verketteten Blöcken sind alle jemals getätigten Transaktionen abgespeichert und öffentlich einsehbar. Mit Verschlüsselungstechniken wird gewährleistet, dass nur die Eigentümer der Bitcoins Transaktionen vornehmen können.

Warum steigt der Bitcoin-Kurs so stark? Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin etwa 900 Prozent an Wert gewonnen, sein Kurs hat sich also in etwa verzehnfacht. Ein wesentlicher Grund ist, dass er bei Anlegern immer beliebter wird. Insbesondere Japan gilt als Hochburg, aber auch in Ländern mit politischen Spannungen wie Venezuela wird der Bitcoin als Alternativwährung stark nachgefragt. Einen zusätzlichen Schub hat der Bitcoin erhalten, weil die große US-Terminbörse CME die Einführung eines speziellen Finanzprodukts (Bitcoin-Future) plant.

Der Bitcoin steht nicht nur bei Finanzexperten in der Kritik. Warum ist die Digitalwährung umstritten? Da die Teilnehmer anonym bleiben können, kommt das Kryptogeld häufig im Bereich Cyberkriminalität zum Einsatz. So werden viele Opfer von Erpressungstrojanern aufgefordert, das Lösegeld in Form von Bitcoins zu leisten. Ein großer Nachteil ist außerdem die Umweltbelastung durch Bitcoin. Laut Berechnungen von Digiconomist.com werden für eine einzelne Transaktion 294 Kilowattstunden Strom verbraucht. Der hohe Energiebedarf entsteht vor allem beim „Schürfen" neuer Bitcoins in den gigantischen Rechenzentren.


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