Tourismus hofft auf EU-Gehör

EU-Kommissarin Bienkowska ist gegen Regulierung von Airbnb. LH Platter prangert „überbordende Vorschriften“ im Tourismus an.

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© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Innsbruck –Die digitale Revolution, besonders die „sharing economy“, zähle im Tourismus zu den größten Herausforderungen, sagte gestern die für Tourismus zuständige EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska im Rahmen ihres Besuchs bei der Tourismuskonferenz des Landes in Innsbruck. Online-Zimmervermittlungsplattformen wie Airbnb, wo Privatwohnungen als Gästeunterkünfte vermittelt werden, setzen den Hoteliers zu, die Wettbewerbsverzerrung orten. Sie verstehe die Sorgen, sagte Bienkowska, sei aber gegen europäische Verordnungen, die die „sharing economy“, zu der auch Geschäftspraktiken von Airbnb zählen, regulieren. „Wie wir künftig vermieten und Urlaub machen, passiert einfach. Wir können uns dem nicht entgegenstellen“, so Bienkowska. „Sich darüber zu beschweren, ist keine Lösung.“ Die Regeln für die „sharing economy“ wolle man aber an den Tourismus anpassen. Die steuerliche Gleichbehandlung müsse sehr wohl Thema sein.

Tirols Tourismus hofft jedenfalls, in Brüssel gehört zu werden. Für LH Günther Platter (VP) geht es etwa bei Airbnb darum, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Der Tourismus sei bereits mit Auflagen überfordert. „Alleine die Vollziehung der Allergenkennzeichnung wird zum Problem. Wir müssen aufpassen, dass wir keine überbordenden Vorschriften haben“, meinte Platter. Weiters müssten künftig Qualifikationen im Tourismusbereich grenzüberschreitend anerkannt werden. Zudem plädierten die Konferenzteilnehmer für die Förderung des europäischen Tourismus im Rahmen des EU-Haushalts. Von der neuen Regierung fordert Platter zudem, die Mehrwertsteuer auf Nächtigungen wieder auf 10 % zu senken. Unter der vergangenen SPÖ/ÖVP-Regierung wurde die Steuer auf 13 % angehoben, liegt aber immer noch unter dem regulären Steuersatz von 20 %. Entscheidend für den Tiroler Tourismus sei zudem ein Paradigmenwechsel weg von der jährlichen Gäste- und Nächtigungs-Rekordjagd: Steigerungen bei Ankünften und Nächtigungen seien erfreulich, wichtiger sei aber die Wertschöpfung.

EU-Kommissarin Bienkowska will mit Investitionen und Unterstützung privater Investoren den Ausbau von Infrastruktur vorantreiben. Auch wolle man grenzüberschreitende Kooperationen und Finanzierungsmodelle unterstützen. Immerhin sei der Tourismus der drittgrößte Wirtschaftszweig in der EU: 500 Mio. Touristen besuchen pro Jahr die EU-Staaten. (mas)

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