Kritik an „kolonialer Inszenierung“

Ein Trophäenkopf im jüngst wiedereröffneten Weltmuseum sorgt für Aufregung.

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© KHM-Museumsverband

Wien –Was darf gezeigt werden und was nicht? Diese Frage ist rund um das gerade erst wiedereröffnete Weltmuseum Wien entbrannt. Konkret geht es um eine brasilianische Kopftrophäe: In einem Ö1-Bericht vom Montag kritisieren Wissenschafter aus Deutschland und Österreich die Präsentation der menschlichen Überreste. Akademie-Rektorin Eva Blimlinger forderte die Entfernung des Trophäenkopfes, auch ihr Kollege Gerald Bast monierte die „koloniale Inszenierung“. Kritik wurde im Morgenjournal aber auch aus Deutschland laut, etwa von Nanette Snoep, der Leiterin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens.

KHM-Generaldirektorin Sabine Haag verweist auf die Einhaltung des „ICOM Code of Ethics“, verspricht aber eine Verbesserung der Kommunikation rund um das Objekt.

Auch die zuständige Kuratorin der Sammlung Südamerika im Weltmuseum, Claudia Augustat, unterstreicht in einem Statement die im Vorfeld erfolgte sorgfältige Abwägung, die Trophäe zu zeigen. Trophäenköpfe seien Objekte, die für die öffentliche Präsentation angefertigt wurden, daher habe auch das Volk der Munduruku, aus dessen Besitz das Objekt stammt, nichts gegen eine Ausstellung in Wien vorgebracht. „Mir ist durchaus bewusst, dass Nachfahren jener Gruppe, von der der Kopf erbeutet wurde, dies anders sehen könnten“, räumt Augustat ein. Es sei jedoch nicht möglich gewesen, die Herkunftsgemeinschaft zu eruieren.

Ebenso wie Sabine Haag spricht sich auch Augustat dafür aus, verstörende oder schockierende Bereiche aus anderen Kulturen „nicht einfach auszublenden, sondern sie durch Beleuchtung ihres ursprünglichen Kontexts verständlich zu machen“. Man wolle „nicht so tun, als gäbe es das nicht“, fügt Haag hinzu. Das KHM sei ein Ort der interkulturellen Diskussion. Man werde die kritischen Stimmen aber zum Anlass nehmen, im Kolonialismus-Saal des Weltmuseums das Objekt vertiefend zu behandeln. Sie sehe die Lösung aber nicht darin, das Objekt aus der Vitrine zu verbannen. Dieselbe Meinung vertrat gestern auch Weltmuseums-Direktor Steven Engelsman. (TT, APA)


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