Tiroler Skiverband grub Vorfall im Ski-Internat aus

Innsbruck, Neustift – Rund um die Missbrauchsvorwürfe in den 1970er-Jahren in der Skihauptschule Neustift, die die ehemalige Tiroler Skirenn...

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Für das Skiland Tirol sind die Nachwuchsläufer sehr wichtig. Über der Kaderschmiede in Neustift liegt jetzt ein dunkler Schatten. (Archivfoto)
© Thomas Böhm

Innsbruck, Neustift –Rund um die Missbrauchsvorwürfe in den 1970er-Jahren in der Skihauptschule Neustift, die die ehemalige Tiroler Skirennläuferin Nicola Werdenigg in der Vorwoche erhoben hat, stellt sich jetzt die Frage, wer damals davon gewusst hat. An der Gründung 1969 war der Tiroler Skiverband (TSV) maßgeblich beteiligt. Bis 1978 trug der TSV laut eigenen Angaben, vom Land finanziell unterstützt, die Kosten für Trainer, Training, Wettkampf und Heimleiter. Danach übernahm das Land Tirol mit dem „Verein zur Förderung der Skihauptschule Neustift“ den Betrieb der Skihauptschule.

Nach den Aussagen Werdeniggs geriet bereits in der Vorwoche der damalige Heimleiter des Internats ins Visier. Er wurde 1976 abgezogen und war dann noch einige Jahre als Lehrer an der Schule. Er soll sich an Buben vergriffen haben. Wie der Vizepräsident des Tiroler Skiverbandes, Peter Mall, am Montag betonte, sei der Verband an einer Aufklärung interessiert. „Dehalb haben wir bewusst die Sitzungsprotokolle aus dem Jahr 1976 ausgegraben und uns noch einmal angeschaut.“

Dabei wurde die heutige Führungsspitze auch fündig. „Denn daraus war abzuleiten, dass irgendetwas vorgefallen war und die Sache zuerst intern geklärt werden sollte. Aber Genaues, um was es geht, ist im Protokoll nicht vermerkt“, sagt Mall. Außer, dass plötzlich zu Beginn des neuen Schuljahres kein Heimleiter mehr da gewesen sei. Im Lichte von Werdeniggs Anschuldigungen ist heute wohl vieles klarer.

Für den Vizepräsidenten geht es um die Aufklärung der damaligen Vorgänge, „das war ja Generationen vor uns“. Einen Generalverdacht will Mall nicht aufkommen lassen, „das wäre ungerecht gegenüber der Skihauptschule“. Viele führende Funktionäre aus der damaligen Zeit sind zwischenzeitlich verstorben, doch Ende der Vorwoche haben sich bereits ehemalige Schüler gemeldet. Das Land Tirol möchte seinerseits die Vergangenheit der Skihauptschule unter die Lupe nehmen und aufarbeiten, im Mittelpunkt steht dabei das Internat.

Zuerst will man einmal abwarten, wie viele ehemalige Skihauptschüler sich bei der eigens eingerichteten Hotline bei der Anlaufstelle für Opferschutz im Land melden. Darüber hinaus dürften auch ehemalige Direktoren, Pädagogen und Trainer befragt werden. Letztlich geht es auch darum, wann die Vergangenheit – auch mit den entwürdigenden und erniedrigenden Aufnahmeritualen – endgültig vorbei war. Auch die Staatsanwaltschaft hat das Landeskriminalamt mit umfassenden Erhebungen zu allen öffentlich gemachten Vorwürfen beauftragt. (pn)


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