Fischer dürfen Graureiher nicht schießen

Sowohl BH als auch Landesverwaltungsgericht erteilten dem Wunsch nach Abschuss von zwei Vögeln eine klare Absage – die jetzt für alle gilt.

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Innsbruck –Zwei Graureiher schießen, um den Fischbestand zu schützen. Mit diesem Ansinnen trat ein Fischereiberechtigter im Bezirk Innsbruck-Land heuer an die Bezirkshauptmannschaft (BH) heran und wollte eine auf das Tiroler Jagdgesetz gestützte Anordnung zum Abschuss der Tiere erwirken. Doch sowohl bei der BH als auch beim Landesverwaltungsgericht gab es dafür eine Abfuhr. Und das hat jetzt Folgen für alle derartigen Abschüsse.

Bisher kam es vor, dass per Sonderverordnung derartige Maßnahmen genehmigt wurden. Fischereiberechtigte, wie auch in diesem Fall, gaben an, dass durch die fischfressenden Vögel im Fischbestand Schäden verursacht werden. Und die Jägerschaft erledigt dies nach Ausstellung eines Bescheides durch die Behörde – mit mehr oder weniger großer Lust daran. Im konkreten Fall geht es um Laichgebiete des Bachsaiblings und ein Wiederansiedlungsprojekt von Äschen, das unter normalen Bedingungen sehr erfolgreich laufen würde – wenn da eben nicht die Graureiher wären. Bis vor zehn Jahren hätte sogar ein so genanntes Selbstaufkommen des Bachsaiblings bestanden – mittlerweile seien die Fische wegen der Vögel dort fast ausgerottet. Die BH führte ein Ermittlungsverfahren durch, in dem man allerdings zum Ergebnis kam, dass ein entsprechender Bestand von Graureihern nicht nachgewiesen werden konnte.

Grundsätzlich besteht laut Jagdgesetz die Möglichkeit, Maßnahmen zur „Hintanhaltung von Wildschäden“ anzuordnen. Das Landesverwaltungsgericht macht in seiner Entscheidung aber unmissverständlich klar: „Für den Abschuss von Graureihern zum Schutz von Fischbeständen findet sich im Tiroler Jagdgesetz allerdings keine rechtliche Grundlage.“

Ebenso eindeutig die Gründe: Natürlich vorkommende Fische sind laut Definition weder „Haus- noch Nutztiere“, sondern gelten als wild lebende Wassertiere – und somit gibt es schon alleine hier keine rechtliche Grundlage für den Abschuss. Außerdem unterliegen Graureiher einer ganzjährigen Schonung. Der Fischer kann noch beim Verwaltungsgerichtshof eine außerordentliche Revision anstreben. (mw)

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