Gericht lehnt Freilassung von türkischer Akademikerin ab

Istanbul (APA/dpa) - Nach mehr als 260 Tagen Hungerstreik hat ein türkisches Gericht die Entlassung der Universitätsdozentin Nuriye Gülmen a...

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Istanbul (APA/dpa) - Nach mehr als 260 Tagen Hungerstreik hat ein türkisches Gericht die Entlassung der Universitätsdozentin Nuriye Gülmen aus der Untersuchungshaft abgelehnt, obwohl sogar die Staatsanwaltschaft für ihre Freilassung plädierte.

Das Gericht begründete die Entscheidung am Montag mit dringendem Tatverdacht bei den Terrorvorwürfen, wie die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“ aus dem Verfahren in Ankara berichtete. Die Staatsanwaltschaft habe argumentiert, bei der durch den Hungerstreik stark geschwächten Angeklagten bestehe weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr.

„Cumhuriyet“ berichtete, nach der Entscheidung habe die Polizei gegen Unterstützer Gülmens vor dem Gerichtsgebäude Tränengas eingesetzt. Es sei auch zu Festnahmen gekommen. Gülmen sei am Montag aus einem für Häftlinge vorgesehenen Zimmer in einem Krankenhaus per Video zu der Verhandlung zugeschaltet worden.

Der mit Gülmen wegen Terrorvorwürfen angeklagte Grundschullehrer Semih Özakca war im Oktober bis zu einem Urteil in dem Verfahren auf freien Fuß gesetzt worden. Gülmen und Özakca waren am 9. März in einen Hungerstreik getreten, um gegen ihre Entlassungen aus dem Staatsdienst zu protestieren. Die Dozentin und der Lehrer gehören zu mehr als 150.000 Staatsbediensteten, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert wurden.

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Gülmen und Özakca nehmen nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich und haben angekündigt, ihren Hungerstreik fortzusetzen, bis sie ihre Arbeit zurückerhalten. Nachdem die Aktion in Ankara zunehmende Aufmerksamkeit auch außerhalb der Türkei auf sich gezogen hatte, waren Gülmen und Özakca im Mai unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation in Untersuchungshaft genommen worden.

Zuvor hatte die Polizei mehrfach Solidaritätskundgebungen aufgelöst. Anwälte der Hungerstreikenden waren im September inhaftiert worden. Der Prozess soll am 1. Dezember fortgesetzt werden.


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