Die Kunst des Lebens und Überlebens

Das Osterfestival Tirol feiert seinen 30. Geburtstag mit Jacobs, Herreweghe, Rihm und De Keersmaeker.

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© Bernadette Fink

Wien –„über.leben“ lautet das Motto des Osterfestival Tirol 2018 – man könne das, sagt Hannah Crepaz schmunzelnd, durchaus auch selbstbezogen lesen: Immerhin gebe es nicht zuletzt zu feiern, dass das Osterfestival dreißig Jahre „überlebt“ hat. Der eigentliche Kern der Botschaft hat – wie beim Osterfestival üblich – aber auch gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Entwicklungen im Blick.

Das Programm der 30. Festival-Ausgabe (16. März bis 1. April) zeigt das etwa in der Schiene des zeitgenössischen Tanzes und der Performance. Das neue Stück der deutschen Choreografin Helena Waldmann titelt „Gute Pässe Schlechte Pässe“ und stellt der Ankündigung zufolge Fragen nach Nationalismus, Grenzen und der Sehnsucht nach einer geschlossenen Gesellschaft. An Waldmann schätze sie, so die künstlerische Festival-Leiterin Crepaz, „dass sie immer sozialkritisch arbeitet“. Mit Anna Teresa De Keersmaekers „Rain“ zu Steve Reichs „Music for 18 Musicians“ steht einmal mehr ein Stück der belgischen Star-Choreografin auf dem Programm. Um Geschlechteridentität geht es schließlich, wenn die italienische Performance-Künstlerin Silvia Calderoni im Stück „MDLSX“ der Kollektivs Motus auftritt.

Bereits angekündigt worden ist ein besonderes Jubiläums-Projekt samt prominentem Jubiläumsgast: René Jacobs hat sein Tiroldebüt im Jahre 1974 in der Galerie St. Barbara gegeben, er trat damals als Sänger im Duo mit Jordi Savall in Hall auf. Beim Osterfestival 2018 wird er im Innsbrucker Congress mit dem Ensemble B’Rock erstmals Symphonien von Franz Schubert aufführen und auf CD aufnehmen (17. März), am Vorabend des Konzerts führt Jacobs im Rahmen eines „Salons“ in seine Schubert-Welt ein. Philippe Herreweghe wiederum gibt mit seinem Collegium Vocale Gent Bachs Johannes-Passion.

Im Bereich der Neuen Musik gastiert unter anderem das ensemble recherche mit Werken von Johannes Maria Staud, Lisa Streich, Younghi Pagh-Paan und Milica Djordjevic in Hall. Ebenfalls im Salzlager erklingt am 23. März Wolfgang Rihms modernes Requiem „Et Lux“.

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Inseln des Innehaltens sollen auch 2018 die „40 Orte“ bieten, an denen junge Tiroler Musiker bereits ab 14. Februar Werke unterschiedlicher Epochen spielen, zudem sind wieder Gespräche, ein Filmprogramm und ein Kooperationsprojekt mit der Kunstbiennale Innsbruck International geplant.

Neben den laufenden Vorbereitungen für das Osterfestival tüfteln dessen Macherinnen bekanntlich auch an einem neuen Tanzfestival für den Innsbrucker Sommer. Ob dieses auch tatsächlich kommen wird, sei, so Hannah und Maria Crepaz, noch nicht fix. „Die Gespräche darüber sind noch nicht beendet.“ (jel)

Info: www.osterfestival.at


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