Schweiz fördert Wissensvermittlung über Holocaust

Bern (APA/sda) - Die Schweiz unterstützt Forschungs- und Bildungsprojekte zum Holocaust und die Erinnerung an dessen Opfer. An der Vollversa...

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Bern (APA/sda) - Die Schweiz unterstützt Forschungs- und Bildungsprojekte zum Holocaust und die Erinnerung an dessen Opfer. An der Vollversammlung der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) am Montag in Bern kündigte der Schweizer IHRA-Vorsitz eine Web-App zum Holocaust an und ein Buch über Carl Lutz, Schweizer Vize-Konsul in Budapest 1944/45, der Juden rettete.

Lutz setzte sich mit jüdischen Organisationen und seinem Team in der Schweizer Gesandtschaft in Budapest 1944 und 1945 energisch für ungarische Juden ein, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in einer Mitteilung vom Montag erinnerte. Indem der 1975 Verstorbene Schutzpässe und Schutzbriefe ausgestellt habe, habe er dazu beigetragen, Zehntausende Juden zu retten.

Erstmals auf Grundlage von Zeitzeugenberichten sei Lutz‘ Handeln nun rekonstruiert worden und liege in Buchform vor. Dessen Stieftochter Agnes Hirschi und die in Kanada lehrende Historikerin Charlotte Schallie führten für das Buch mit dem Titel „Under Swiss Protection“ Gespräche mit Holocaust-Überlebenden in den USA, Kanada, Ungarn, Israel, Großbritannien und der Schweiz, um das Wirken von Carl Lutz nachzuzeichnen.

Zu dessen Ehren wird einer der wichtigsten Sitzungsräume im EDA in „Salle Carl Lutz“ umbenannt und die Leistung von Carl Lutz und seiner Mitarbeitenden auf einer Plakette gewürdigt, wie das Außendepartement in Bern weiter mitteilte.

Mit der Förderung des Buches über Carl Lutz und der Entwicklung der Lern-App sowie auch mit der Unterstützung der Veröffentlichung von 15 Bänden mit Memoiren von Holocaust-Überlebenden unterstreiche der - diesjährige - Schweizer IHRA-Vorsitz sein Engagement für die Zielsetzungen der Allianz: Forschung und Bildung in Bezug auf den Holocaust zu fördern sowie die Erinnerung an die Opfer durch Gedenkfeiern und -stätten wachzuhalten, schreibt das EDA,

Die IHRA mit Sitz in Berlin wurde 1998 auf Initiative des damaligen schwedischen Regierungschefs Göran Persson gegründet und umfasst 31 Mitgliedsstaaten - neben der Schweiz die meisten EU-Länder wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie die USA und Israel. Es fällt allerdings auf, dass Russland fehlt, auch China ist nicht dabei.

Verfahren hinsichtlich der Vollmitgliedschaft zweier weiterer Staaten, Bulgarien und Australien, wurden 2017 in die Wege geleitet. Zu den institutionellen Partnern der IHRA gehören unter anderem die UNO, der Europarat, die UNESCO und das Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa).


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