Eine Nacht mit Alice Cooper in Wien

Eine solide Darbietung, aber kaum Neues vom Vater des Schockrocks bekamen die Fans in der Wiener Stadthalle zu sehen.

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Alice Cooper beim Konzert in der Wiener Stadthalle.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Von Wolfgang Hauptmann, APA

Wien – „Spend the night with Alice Cooper“ hieß das vielversprechende Motto für Montagabend in der Wiener Stadthalle. Gestandene Fans harter Klänge wissen, was sie sich erwarten dürfen: viel Theater, ewig junge Hits und einen Zeremonienmeister, der den Schockrock miterfunden hat. Allerdings wirkte die Show im Vergleich zu großartigen Auftritten in der Open Air Arena und am Nova Rock etwas abgestanden.

Alice Cooper ist in Würde gealtert. Der bald 70-Jährige tobt sich nach seinen Eskapaden bis in die Mitte der 80er-Jahre nicht mehr an der Bar, sondern am Golfplatz aus, er gibt sich in Interviews keine Blöße und singt „I‘m Eighteen“ immer noch mit der Überzeugung eines Teenagers, ohne sich der Peinlichkeit preiszugeben. Zur Frische der Darbietung trägt seit einiger Zeit eine solide Band um die Gitarren-Schredderin Nita Strauss bei. Diese Gang versteht es, die unterschiedlichen Sounds der verschiedenen Cooper-Phasen zusammenzuführen.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

So gab es auch diesmal an den Interpretationen von Klassikern wie „No More Mr. Nice Guy“, „Billion Dollar Babies“ oder der Ballade „Only Women Bleed“ nichts auszusetzen. Alice Cooper, wechselnde Verkleidungen bzw. Accessoires aus einer großen Kiste auf der Bühne herausholend, traf gewohnt die Töne, die zwei Herren und die Dame an den Gitarren leisteten viel Laufarbeit und gaben eine Lehrstunde im Metal-Posen. Schön, dass man „Pain“ vom bizarren Album „Flush The Fashion“, zuletzt 1982 im Tournee-Programm, ausgegraben hat. Ein bisschen mehr solcher Schmankerln hätten gut getan, vom neuen Album gab es nur ein (!) einziges Stück zu hören!

Eine Nacht mit Alice Cooper braucht unbedingt Säbel, Guillotine, einen comichaften Riesen-Frankenstein, Krücke und Zwangsjacke sowie eine abgedrehte Krankenschwester. Dass man allerdings darüber hinaus keine frischen Elemente eingebaut hat, trübte die Freude - zumindest bei jenen unter den 6.500 Besuchern, die nicht zum ersten Mal dabei waren. Und die Abfolge von gekürzten Versionen von „Ballad of Dwight Fry“, „Killer“ und „I Love The Dead“ ist mittlerweile ebenso Routine wie das Gitarrensolo nach „Woman Of Mass Distraction“ und das Drum-Soli bei „Halo Of Flies“ samt langem Instrumentalteil. Das kräftige Finale mit „I‘m Eighteen“ und „School‘s Out“ lässt dann aber sogar die fehlende Videowall und die mickrigen Pyroeffekte vergessen.


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