Neue Bücher - Drei Generationen: Philosophin, Gauklerkind und Enkel

Wien (APA) - **...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - **

Agnes Heller präsentiert „Eine kurze Geschichte meiner Philosophie“

Die 88-jährige Philosophin Agnes Heller ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Mit ihrer Mutter entging sie in Budapest dem Holocaust nur knapp. Ihr Vater und viele ihrer Verwandten wurden ermordet. Die Studentin und spätere Assistentin des marxistischen Philosophen und Literaturwissenschafters Georg Lukacs (1885-1971) wurde nicht nur von ihren Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus, sondern auch vom Kommunismus geprägt. Sie beteiligte sich an der ungarischen Revolution von 1956 und emigrierte 1977 als Professorin für Soziologie nach Melbourne. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Heute lebt sie in Budapest und wird nicht müde, den autoritären Kurs der Orban-Regierung zu kritisieren.

„Eine kurze Geschichte meiner Philosophie“ ist eine Rückschau auf das, was ihr Leben und ihr Denken geprägt hat. Eine Erinnerung an Meilensteine, Wendepunkte, aber auch Irrtümer. „Am Ende verstand ich schließlich, dass jeder philosophische Gedanke und jede Theorie, die ich aus meinen Werken zusammenfassen konnte, zwischen 1980 und 1995 entstanden war. Das hat nichts mit Quantität zu tun und schon gar nichts mit Qualität, sondern ausschließlich mit dem seltsamen Etwas, das unsere philosophischen Vorfahren ‚Essenz‘ genannt haben.“ Wer sich also den Weg von „Der Mensch der Renaissance“ bis zu „Die Welt der Vorurteile“ abkürzen möchte, bekommt hier auf etwas mehr als 200 Seiten die Essenz von Hellers Denken geboten. Und die Essenz der Essenz gibt‘s bei der Buchpräsentation am Donnerstag im Institut für die Wissenschaften vom Menschen.

(Agnes Heller: „Eine kurze Geschichte meiner Philosophie“, Edition Konturen, 240 Seiten, 28,80 Euro, ISBN: 978-3-902968-25-8; Buchpräsentation am Donnerstag, 30.11., 18 Uhr, im Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien 9, Spittelauer Lände 3, Anmeldung erforderlich unter www.iwm.at)

****

Grischka Voss präsentiert „Erinnerungen eines Gauklerkindes“

Nein, tauschen möchte man nicht mit ihr. Innerhalb von vier Monaten verlor Grischka Voss zunächst ihren Vater, dann ihre Mutter. Schließlich verließ sie nach fast zwanzig Jahren Beziehung ihr Mann. Doch: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, lautete der Lieblingssatz ihres Vaters Gert. Und so muss sie, die schon beim Monopoly die „Zurück an den Start“-Karte so gehasst hatte, mit 47 Jahren feststellen, dass es eines radikalen Neuanfangs bedarf. Ihre „Erinnerungen eines Gauklerkindes“, die am Sonntag in den Sträußelsälen des Theaters in der Josefstadt präsentiert werden, ist wohl ein Teil dessen. Festhalten, was unwiederbringlich dahin ist. Und dann loslassen und neu starten.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Wer Innenansichten aus den großen Theaterfamilien rund um Claus Peymann und George Tabori erhofft, ist mit diesem Buch gut aufgehoben. Hier lässt sich Theatergeschichte tatsächlich als Familiengeschichte erleben - inklusive Probenwahnsinn, schüchternen Begegnungen mit Dichterfürst Thomas Bernhard oder verletzenden Erlebnissen wie bei der „Piefke“-Ablehnung beim Umzug nach Wien oder der bis zu Drohanrufen und Fäkalien-Post eskalierenden „Heldenplatz“-Affäre. Geboten wird aber keine Schlüsselloch-Perspektive, denn auch die Tochter macht ihren Weg - von der behüteten Waldorfschülerin zur selbstbewussten Schauspielerin, Autorin und Regisseurin und schließlich zur Begleiterin ihrer Eltern in deren letzten Tagen und Stunden. Dieser Weg wird immer wieder überraschend heiter geschildert, manchmal wird es bitter - aber nie selbstmitleidig.

(Grischka Voss: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Erinnerungen eines Gauklerkindes“, Amalthea Verlag, 256 Seiten, mit zahlr. Abb., 25 Euro, ISBN: 978-3-99050-105-4; Buchpräsentation: Sonntag, 3. Dezember, 11 Uhr, Sträußelsäle im Theater in der Josefstadt)

****

Folke Tegetthoff erklärt seinem Enkelkind per WhatsApp die Welt

„Let‘s chat, Baby!“ nennt der Grazer Erzählkünstler und Schriftsteller Folke Tegetthoff sein soeben erschienenes Buch, in dem er seinem ungeborenen ersten Enkelkind „die Welt erklärt“. Und das tut er ganz zeitgemäß in Form von 185 WhatsApp-Nachrichten, die er im Laufe der Schwangerschaft seiner Tochter verfasst hat. Thematisch bewegt er sich laut Ankündigung „von der Politik bis zum Busen und von der Schwangerschaft bis zu Gott“.

Auch über Gemüse wird philosophiert: „Heute hast du Kürbisgröße erreicht, sagt deine Mama“, heißt es da etwa. „Als echte Südsteirerin mit Kürbisfeldern am Nachbargrund sollte sie wissen, dass dies sehr relativ ist. Da gibt es welche in Orangengröße und welche in der Größe von Basketbällen.“ Das aufwendig illustrierte Buch richtet sich vor allem an werdende Mütter und junge Eltern, aber an alle Leser, „die auf der Suche nach etwas ganz Besonderem sind, und die Welt neu, anders, befreiend positiv erleben wollen“.

(Folke Tegetthoff: „Let‘s chat, Baby!“, Edition Neues Märchen VerlagsGmbH, 340 Seiten, 25,90 Euro, ISBN: 978-3-85325-082-2; Buchpräsentation am 30. November, 19 Uhr, in Frohnleiten)


Kommentieren