Landwirtschaftskammer pocht auf rentable Ökostrom-Strategie

Graz (APA) - „Die bisher notwendigen Entscheidungen wurden nicht getroffen“, kritisierte Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskamm...

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Graz (APA) - „Die bisher notwendigen Entscheidungen wurden nicht getroffen“, kritisierte Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, die Gesetze für Ökostrom mit Blick in Richtung Bundesregierung. Umso mehr sei nun die künftige Regierung gefordert, eine Energiestrategie festzulegen, mit der Ökostrom für die Hersteller rentabel werde, hieß es am Dienstag bei einem Experten-Treffen in Graz.

Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Berliner Institut für Wirtschaftsforschung, unterstrich die Probleme der österreichischen Produzenten von Strom aus Biomasse: „Ihr in Österreich müsst mit der vermurksten Energiewende in Deutschland leben.“ Sie gab an, dass die Deutschen in Kohlestrom „schwimmen und ihn in Europa verramschen“. Strom werde viel zu billig angeboten, weshalb sich Ökostrom derzeit nicht rechne.

Kemfert kritisierte auch, dass die Produktion von Ökostrom in Deutschland gedeckelt wurde, obwohl eigentlich neben dem Atomstrom- auch der Kohlestrom-Ausstieg für eine richtige Energiewende nötig wären. Sie rechnete vor, dass nach dem geplanten deutschen Atomstrom-Ausstieg 2030 voraussichtlich 40 Prozent Kohlestrom in Umlauf sein werden. Das sei zu viel, so die Wissenschafterin bei der Veranstaltung der Landwirtschaftskammer „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf“.

Lob hatte die Expertin für Strom aus Biomasse parat: Holz sei ein „Allround-Talent“, das Strom, Energie sowie Wärme produzieren und gleichzeitig auch gespeichert werden kann. „Biomasse ist ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Energiewende.“

Schultes zufolge warten die 130 Holzkraftwerke in Österreich auf Sicherheit über ein neues Ökostromgesetz. Die Vorteile dieser Kraftwerke seien vielfältig, denn Schadholz der Forstwirte - etwa nach Windbruch und Käferbefall - werde sinnvoll verwendet und könne die Wiederaufforstung finanzieren: „Holz bringt Wertschöpfung in die Region und schafft Arbeitsplätze. Daher brauchen wir ein Ökostromgesetz, das funktioniert,“ so Schultes.

Franz Titschenbacher, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer, will ebenfalls so viel wie möglich aus Holz herausholen und damit einen Mosaikstein in der Energiewende formen.


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