Hohes Sparpotenzial durch Biosimilars

Wien (APA) - Seit 1. April dieses Jahres gilt ein neuer gesetzlicher Preisregelungsmechanismus für Medikamente auf Kassenkosten. Er betrifft...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Seit 1. April dieses Jahres gilt ein neuer gesetzlicher Preisregelungsmechanismus für Medikamente auf Kassenkosten. Er betrifft auch die Biotech-Nachahmeprodukte, sogenannte Biosimilars. Eine Studie, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt wurde deutet darauf hin, dass die billigeren Biotech-Arzneimittel binnen fünf Jahren den Kassen rund 320 Millionen Euro ersparen könnten.

Biotech-Medikamente, derzeit vor allem monoklonale Antikörper, Hormone, Blutverdünnungsmedikamente und ähnliche Produkte, haben in den vergangenen Jahren unter anderem die Behandlung von Thrombosen, Krebserkrankungen und chronisch entzündlichen Erkrankungen (chronische Polyarthritis, Psoriasis, Morbus Crohn etc.) revolutioniert. Im Juli 2017 waren bereits 154 solcher Arzneimittel zugelassen, 92 weitere befanden sich im Endstadium der Entwicklung oder bereits im Zulassungsverfahren.

Entwicklung und Herstellung dieser Biologika sind aber kompliziert, die Produkte im Vergleich zu synthetisch hergestellten Arzneimitteln wesentlich teurer. Derzeit laufen aber die ersten Patente von Originalherstellern aus, was international unter einer Handvoll von spezialisierten Pharmaunternehmen, zum Beispiel Boehringer Ingelheim, Teva, Sandoz, Stada, Mylan, Astro-Pharma, zu einem Wettlauf um die Entwicklung und Zulassung von Biosimilars führt. Das sind ähnliche, aber nicht völlig idente Nachahmepräparate aus Biotechnologie-Produktion.

„Der Markt für Biologika beträgt derzeit in Österreich rund 400 Millionen Euro pro Jahr (Apothekenumsatz/Kassenmarkt; Anm.). Bisher machten die Biosimilars nur einen Umsatz von weniger als 20 Millionen Euro“, sagte Sabine Möritz-Kaisergruber, Präsidentin des Biosimilarsverbandes Österreich, anlässlich der Pressekonferenz.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Möritz-Kaisergruber begründete das mit der bis 1. April 2017 noch nicht vorliegenden Regelung zur Preisgestaltung. Doch das hat sich geändert. Die Verbandspräsidentin nannte die Eckpunkte der gesetzlichen Regelung: „Kommt das erste Biosimilar auf den Markt, muss dessen Preis 38 Prozent niedriger sein als der ursprüngliche des Originalpräparats. Der Preis des Originalpräparats sinkt dann um 30 Prozent. Das zweite Biosimilar-Präparat im Bereich dieser Arzneimittel muss dann um 15 Prozent günstiger als das erste angeboten werden. Beim Originalpräparat tut sich da nichts. Das dritte derartige Biosimilar geht mit seinem Preis noch einmal um zehn Prozent unter das zweite.“ Alle vergleichbaren Biologika (auch das Originalpräparat) müssen dann ihren Preis auf diesen Wert absenken, wenn sie weiterhin in der Erstattung durch die Krankenkassen bleiben wollen.

Der Biosimilar-Verband hat die zu erwartenden Auswirkungen des Mechanismus inklusive der Markterwartungen für die in den kommenden Jahren verstärkt auf den Markt kommenden Biologika-Nachahmepräparate für die Jahre 2017 bis 2021 in einer Studie abschätzen lassen. Immerhin sollten Ende 2021 schon 24 Biosimilars zugelassen sein. Fazit: Innerhalb dieser fünf Jahre gäbe es durch den Einsatz der Biosimilars ein Einsparungspotenzial im Vergleich zu den Originalpräparaten von 320 Millionen Euro.

Laut den Berechnungen würde durch die Biosimilars der Umsatz mit Biologika von erwarteten rund 428 Millionen Euro im Jahr 2017 beispielsweise im Jahr 2019 auf knappe 370 Millionen Euro sinken und 2021 dann etwa 396 Millionen Euro betragen. Damit könnten die jährlichen Kosten auch bei wahrscheinlich mehr Verwendung und mehr derartigen Produkten in Österreich auf einem Niveau von unter 400 Millionen Euro gehalten werden.

Mittlerweile sind Sicherheit und Wirkung vieler der komplexen Biotech-Arzneimittel durch Vergleichsstudien mit Original-Biologika so abgesichert, dass Patienten auch unter bereits laufender Therapie auf Biosimilars umgestellt werden können. Hier hatte es ursprünglich Bedenken bzw. erhebliche Zurückhaltung gegeben. Für in Österreich tätige Pharmaunternehmen ist dieser Bereich wichtig: Boehringer Ingelheim (Wien) und zum Beispiel Sandoz (ehemalige Biochemie Kundl) gehören zu jenen international zahlenmäßig noch wenigen Pharmaunternehmen, welche das Biotech-Know-how für die Entwicklung und Produktion solcher Arzneimittel besitzen.


Kommentieren