Ungewöhnlicher Justizthriller aus Japan: „13 Stufen“

Tokio (APA/dpa) - Die Geschichte beginnt in der Todeszelle. In einem Gefängnis in Tokio hofft ein junger Mann, dass der Henker nicht zu ihm ...

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Tokio (APA/dpa) - Die Geschichte beginnt in der Todeszelle. In einem Gefängnis in Tokio hofft ein junger Mann, dass der Henker nicht zu ihm kommt. Er ist wegen eines Mordes verurteilt, an den er sich nicht erinnern kann. Für das Justizsystem macht das jedoch keinen Unterschied. Der Mann wurde verurteilt, also läuft die Justizmaschinerie konsequent.

Der Fall ist kompliziert. Vor zehn Jahren soll der Todeskandidat seinen Bewährungshelfer bestohlen und ermordet haben. Ganz in der Nähe wurde er gefunden, nachdem er mit seinem Motorrad verunglückt war. Durch den Unfall hat er einen Teil seines Gedächtnisses verloren. Er weiß nicht, was passiert ist, kann also auch nichts zu seiner Entlastung vorbringen. In der Logik der Rechtsprechung sind sein Todesurteil und die 13 Stufen zum Galgen unvermeidlich.

Kurz bevor das Urteil vollstreckt werden soll, bekommen zwei ungewöhnliche Ermittler den Auftrag, den Mord noch einmal neu zu untersuchen. Ein geheimnisvoller Auftraggeber hat eine hohe Belohnung ausgesetzt für den Fall, dass die beiden Privatermittler die Unschuld des Verurteilten beweisen und so sein Leben retten können.

Aufklären sollen den Fall zwei Männer, die sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Gefängniswesen in Japan gemacht haben. Nango hat viele Jahre als Aufseher gearbeitet, war sogar zweimal an Hinrichtungen beteiligt und will nun ein neues Leben beginnen. Der junge Jun‘ichi ist gerade auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden. Ein junger Mann war gestorben, nachdem Jun‘ichi ihn im Streit unglücklich geschlagen hatte. Er will mit dem Geld seinen Eltern helfen, die nach seiner Verurteilung verarmt sind.

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Nach zehn Jahren noch die Wahrheit über den Raubmord herauszufinden erweist sich als schwierig, aber nicht unmöglich. Die beiden Ermittler folgen zahlreichen Spuren, von denen sich viele als falsch herausstellen, aber nach und nach erarbeiten sie ein stimmiges Bild. Takano erzählt die Geschichte als spannende Suche nach der Wahrheit.

Neben der Frage, wer damals den Bewährungshelfer ermordet hat, werden zwei Fragen immer wichtiger: Wer ist der geheimnisvolle Auftraggeber, und kommt die Wahrheit ans Licht, bevor das Todesurteil vollstreckt wird? Bis zum Schluss hält Takano den Spannungsbogen aufrecht. Dabei überrascht er immer wieder mit neuen Wendungen und Details, die plötzlich eine ungeahnte Bedeutung bekommen. Die Handlung ist sehr vielschichtig und verlangt, auf jedes Detail zu achten.

„13 Stufen“ ist aber mehr als nur Spannungsroman. Parallel zur Suche nach Beweisen für die Unschuld des Todeskandidaten thematisiert der Roman eindringlich den Schrecken der Todesstrafe, die in Japan weiterhin verhängt wird, und die Grausamkeit der Hinrichtung. Das Rechtssystem bietet nicht nur den Rahmen für die Handlung, es spielt immer wieder eine zentrale Rolle.

Kazuaki Takano lässt keinen Zweifel an seiner Haltung, die er durch einen Staatsanwalt ausdrücken lässt: „Es besteht immer die Gefahr, dass Gesetze von Seiten der Mächtigen willkürlich ausgelegt werde.“ Wie die Maschinerie dann in Gang gesetzt wird und kaum zu stoppen ist, zeigt Takano in seinem Roman sehr einprägsam.

(S E R V I C E - Kazuaki Takano: „13 Stufen“, Penguin Verlag, 392 Seiten, 10,30 Euro.)


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