Produktives Knirschen im Freien Theater Innsbruck

Das Freie Theater Innsbruck wird fünf Jahre alt und will sich als „Brux“ mit geschärftem Profil neu positionieren.

  • Artikel
  • Diskussion
© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Von Joachim Leitner

Innsbruck –Es sollte die Heimstätte von Innsbrucks in den Nullerjahren stark gewachsener freier Theaterszene werden. Ein technisch gut ausgestatteter Kulturbetrieb, der ohne Auslastungsdruck auch gewagtere Experimente ermöglicht. Doch, frei nach Goethe: Grau ist alle Theorie. Geworden ist das Freie Theater Innsbruck, dessen Eröffnung sich am Samstag zum fünften Mal jährt, ein letztlich gesichtsloser Veranstaltungsort.

Oder – in den Worten von Fabian Kametz – „ein Kellertheater ohne den Charme eines Kellertheaters“. Kametz weiß, wovon er spricht. Er ist von Anfang an dabei. Er war vor mittlerweile gut zehn Jahren Teil der ersten Planungsgruppen – und sitzt seit 2012 im Vorstand des Hauses. Eines Hauses, das bis heute damit ringt, dass es zwar als Prestigeprojekt eröffnet wurde. Aber zunächst keiner wirklich wusste, wer es bespielen sollte. Denn jene Gruppen, für die das Haus gedacht war, Theater praesent oder Staatstheater zum Beispiel, haben bereits während der langen Planungs- und Bauphase andere Spielstätten gefunden. Dementsprechend konturlos wirkten die ersten Spielzeiten: von der Experimentalschiene „Vorbrenner“ kuratierte Performances, Festivalproduktionen, Kinderstücke, Gastspiele. Für sich genommen durchaus spannende Abende, aber nichts, woraus sich ein Alleinstellungsmerkmal ableiten ließe.

Halböffentliche Richtungsdebatten und Vorbehalte, die innerhalb der Szene gegen das Haus, dessen Betriebs- und Personalkosten von Stadt und Land mit jährlich 206.000 Euro bezuschusst werden, laut wurden, machten die Sache nicht einfacher. „Es gab die Befürchtung, dass Investition in das Theater auf Kosten anderer Produktionen gehen würde“, erklärt Kametz – und stellt klar: „Das Freie Theater hat kein anderes Projekt verhindert. Im Gegenteil: Es wurde gerade für junge Theatermacher die Möglichkeit geschaffen, sich ohne kommerziellen Druck auszuprobieren.“

2016 gingen rund 100 Produktionen über die Bühne – und lockten mehr als 10.000 Besucher an. Doch dass das Freie Theater seinen Platz in Innsbrucks Theaterlandschaft noch nicht gefunden hat, räumt auch Kametz ein: „Das Publikum besucht Produktionen, aber eine echte Bindung an das Haus selbst gibt es nicht.“ Deshalb soll es nun mit anderem Namen neu positioniert werden: Das Freie Theater wird zum „Brux“.

„Freies Theater“, sagt Kametz, „war eine Zustandsbeschreibung, aber keine Einladung zur Identifikation.“ „Brux“ hingegen eröffne sprachspielerische Assoziationen: „Innsbruck klingt genauso an wie Zähneknirschen (Bruxismus) – und produktives Knirschen passt ja gut zur freien Szene.“

Mit Namensänderung und kosmetischen Korrekturen des Foyerbereichs sei es freilich nicht getan, ergänzt Michaela Senn. Es gelte, nach vorn zu schauen und „das Theater neu zu denken“. Dazu seien auch jene Gruppen eingeladen, die nicht am Haus spielen wollen. Das „Brux“ soll – wie vor beinahe einem Jahrzehnt konzipiert – Austausch von Ideen ermöglichen. Und ganz konkret Hilfestellung anbieten. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Fundus etwa. „Dafür fehlt anderswo der Platz. Wir haben ihn“, so Senn.

Die Mitgründerin der Gruppe tON/NOt ist das jüngste Mitglied des neu konstituierten Vorstandes. Neben Kametz gehören ihm die Schauspieler Julia Kronenberg, Anne Clausen und Nik Neureiter an. Man wolle in Zukunft präsenter sein – und „aktiv in die Szene, zu der wir alle gehören, hineinhören“, so Senn.

Die Sichtbarkeit des Theaters soll künftig zudem durch „Leuchtturmproduktionen“ erhöht werden. Auch solche, die das „Brux“ als überregionale Spielstätte etablieren. Schließlich habe man zuletzt mit Gastspielen von Martin Grubers vielfach ausgezeichnetem aktionstheater sehr positive Erfahrungen gemacht.

Außerdem fällt eine einst selbst auferlegte Regel: Auch dem Vorstand ist es inzwischen erlaubt, Arbeiten am Haus umzusetzen. Es gehe dabei nicht darum, sich in den Mittelpunkt zu stellen, erklärt Kametz: „Vielmehr wird dadurch unterstrichen, dass wir an das ,Brux‘ und die Möglichkeiten, die es eröffnet, glauben.“


Kommentieren


Schlagworte