„Ohne Dorfbahn würden wir in der Sackgasse stecken“

Serfauser Zeitzeugen erinnern sich an die abenteuerlichen Anfänge der bis heute einzigartigen Luftkissenschwebebahn im Alpenraum.

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Die 32 Jahre alte Serfauser Dorfbahn hat 30 Millionen Fahrgäste unfallfrei befördert. 2018 wird sie durch eine neue Wagengarnitur ersetzt.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Serfaus –Ab 7. Dezember bewegen sich wieder die Drehkreuze im Serfauser Skigebiet. Gleichzeitig geht die nach dem Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) größte Baustelle im Bezirk Landeck in die Winterpause. Rund 25 Mio. Euro investiert die Serfauser Komperdellbahn in die Modernisierung der unterirdischen Dorfbahn. Der Abschluss der Bauarbeiten ist 2019 geplant.

Serfauser Zeitzeugen erinnerten sich in einem Gespräch am Montag, wie das „Abenteuer Dorfbahn“ begonnen hat. Die Zeitzeugen sind sich einig: „Ohne diese Bahn wäre Serfaus nie das geworden, was es heute ist.“ Die touristische Entwicklung wäre in einer Sackgasse gelandet. Wobei die enge Dorfstraße im Feriendorf mit 1,2 Mio. Nächtigungen (1080 pro Einwohner) tatsächlich in einer Sackgasse endet.

Der langjährige Seilbahn-Geschäftsführer und Altbürgermeister Georg Mangott schilderte: „1972 hat der Gemeinderat ein Fahrverbot für Pkw beschlossen. Bis zu acht Skibusse pendelten von der Dorfeinfahrt bis zur Seilbahnstation und retour. Trotzdem war es immer wieder chaotisch.“ Das Dorf habe gewusst, dass eine Lösung unbedingt gefunden werden muss. „Der Bau der Luftkissenbahn war für uns jedenfalls absolutes Neuland.“ Das gelte auch für die Finanzierung, die im Dezember 1985 eröffnete Bahn habe letztlich 136 Mio. Schilling gekostet.

Die Zeitzeugen Alfred Tschuggmall, Hugo Westreicher und Georg Mangott (v. l.) erinnern sich an die Anfänge der Serfauser Dorfbahn.
© Wenzel

1983 sei Serfaus an einem Tiefpunkt angelangt, erinnert sich Alfred Tschuggmall, damals Seilbahn-Betriebsleiter. „Auch die Gäste waren unzufrieden. Wir mussten endlich reagieren.“ In jenem Jahr beschloss der Gemeinderat, Planungen auszuschreiben. „Die erste Idee war ein Personen-Förderband, wie es an Flughäfen installiert ist.“ Dazu habe man eine Exkursion zum Flughafen in Frankfurt gemacht. Für Serfaus wären acht Bänder nötig gewesen. Die Idee einer Umfahrungsstraße musste ebenso verworfen werden wie der Plan, eine Seilbahn vom Parkplatz an der Dorfeinfahrt bis zur Komperdellbahn zu bauen.

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Schließlich kam die zündende Idee für den Bau der bis heute im Alpenraum einzigartigen Luftkissenschwebebahn. Geliefert hat sie der Skilehrer Hans Waldner: „Es war keine plötzliche Idee. Ich habe mir Hovercraftboote in England angeschaut.“ Dann habe er den Vorschlang für eine U-Bahn mit Luftkissenfahrzeug in Serfaus gemacht. Maßgebliche Entscheidungsträger hätten die Idee unterstützt, Gegner hätten sie jedoch als Aprilscherz oder Schnapsidee abqualifiziert.

„Ja, Westreicher, wenn du moansch, nocha plansch es halt amol.“ Diese Worte von Landeshauptmann Eduard Wallnöfer (Walli) klingen beim früheren Serfauser Nationalrat Hugo Westreicher taufrisch in den Ohren. 1983 sei die Situation unerträglich gewesen. „Die Skibusse haben einander gestreift, die Gäste schlugen auf die vollbesetzten Busse.“ Man habe Glück gehabt, dass die Gewerkschaft die Baustelle erst kurz vor Fertigstellung „entdeckte“, erzählte Westreicher. Es sei eine gefährliche Baustelle gewesen. In Wien habe ihm die Seilbahnbehörde zunächst erklärt, dass sie für die Luftkissenbahn „eigentlich gar nicht zuständig“ sei.


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