Chefankläger für Jugoslawien: Tausende Verfahren noch offen

Im Dezember legt das UN-Kriegsverbrechertribunal für Verbrechen während der Jugoslawienkriege die Arbeit nieder. Das Ende der Aufarbeitung soll das laut dem Chefankläger nicht bedeuten.

  • Artikel
  • Diskussion
UN-Chefankläger Serge Brammertz.
© AFP

Berlin/Den Haag – Die Schließung des UN-Kriegsverbrechertribunals (ICTY) in Den Haag bedeutet nach Worten von Chefankläger Serge Brammertz nicht das Ende der Strafverfolgung wegen Verbrechen während der Jugoslawienkriege. Vor dem letzten Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sind für den Belgier die Konflikte juristisch noch lange nicht aufgearbeitet.

„Mit der Schließung des Tribunals geht nur ein Kapitel zu Ende“, sagte er am Dienstag dem Radiosender Bayern 2.

Tausende Verfahren noch zu führen

An diesem Mittwoch fällt der 1993 geschaffene Gerichtshof nach fast 11.000 Prozesstagen mit dem Berufungsverfahren gegen Jadranko Prlic und fünf weitere ehemalige Offiziere der bosnisch-kroatischen Armee sein letztes Urteil. Am 31. Dezember 2017 wird die Tätigkeit des Tribunals in Den Haag offiziell beendet.

Dennoch werde die Strafverfolgung fortgesetzt werden müssen, betonte Brammertz. Alleine in Bosnien gebe es noch 3000 Verfahren, die geführt werden müssten. „Ein Kapitel geht zu Ende, aber die Strafverfolgung wird noch viele Jahre weitergehen“, sagte der Ankläger. Auch rund ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Krieges in Jugoslawien sind die Wunden nach Ansicht des scheidenden Chefanklägers noch nicht verheilt. „Ich würde das gerne mit Ja beantworten, aber bedauerlicherweise ist das nicht der Fall.“ Nach Ansicht Brammertz‘ hat sich die Situation in den vergangenen Jahren sogar wieder verschlechtert.

Kriegsverbrecher in Serbien „als Helden betrachtet“

So sei ein serbischer General, der für ethnische Säuberungen im Kosovo verurteilt wurde, nach Verbüßung seiner Haftstrafe mit allen Ehren in einer serbischen Militärakademie empfangen worden. „Die Art und Weise, wie verurteilte Kriegsverbrecher als Helden betrachtet werden, ist eine sehr, sehr bedauerliche Entwicklung, die wir in Serbien sehen, aber auch in den anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens.“ (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte