Allianz für die „Seele der Alpen“ in Innsbruck gebildet

Der WWF Österreich, der Österreichische Alpenverein und die Naturfreunde Österreich fordern, die letzten alpinen Freiräume vor Bedrohungen zu schützen.

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Das Karwendel ist seit 1928 als Naturschutzgebiet geschützt und wurde 2009 zum Naturpark erklärt.
© Naturpark Karwendel

Innsbruck – Nur mehr sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche sind weitgehend naturbelassen und „großtechnisch“ unerschlossen. Ein Zusammenschluss dreier österreichischer Umweltorganisationen hat bei einer Pressekonferenz in Innsbruck nun aktiven Schutz für diese letzten alpinen Freiräume gefordert. Der Erschließungs- und Nutzungsgrad der Landschaft habe alarmierende Ausmaße erreicht.

Der WWF Österreich, der Österreichische Alpenverein und die Naturfreunde Österreich haben eine „Allianz für die Seele der Alpen“ gebildet, um die letzten alpinen Freiräume vor Bedrohungen zu schützen. „Es wäre fatal, wenn unsere letzten Rückzugsgebiete der kurzsichtigen flächendeckenden Erschließung zum Opfer fielen“, sagte Ingrid Hayek, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins vor Journalisten. Die Allianz fordere daher den Schutz der letzten unerschlossenen Naturgebiete vor Erschließung durch landschaftsbelastende Infrastruktur sowie die unmittelbare Einleitung einer strategischen und nachhaltigen Raumordnungspolitik im Umgang mit alpinen Freiräumen.

„21 Fußballfelder werden täglich verbaut“

5.900 Quadratkilometer groß ist laut einer aktuellen Landschaftsanalyse des Instituts für soziale Ökologie SEC der noch naturbelassene Landschaftsraum Österreichs - in puncto Bodenverbrauch stehe Österreich damit europaweit an der Spitze. Während in Tirol und Vorarlberg noch knapp ein Viertel der Landesfläche weitgehend unerschlossen seien, wiesen die Steiermark, Ober- und Niederösterreich kaum mehr naturbelassene Flächen auf. Nur knapp 40 Prozent der in Österreich noch vorhandenen unangetasteten alpinen Freiräume seien im Rahmen bestehender Naturschutzgesetze vor „großtechnischer Erschließung“ und Bebauung rechtlich geschützt. Die restlichen 60 Prozent seien akut gefährdet, warnte die Allianz. „Täglich wird im Schnitt eine Fläche in der Größe von 21 Fußballfeldern bebaut“, erklärte Hanna Simons, stellvertretende Geschäftsführerin des WWF Österreich. Insgesamt 17 Großbauprojekte seien zudem in Planung oder Diskussion, darunter unter anderem sieben Skigebiete und acht Wasserkraftwerke, deren Realisierung den Anteil der rechtlich ungeschützten naturbelassenen Flächen drastisch reduzieren würde.

Während diese Entwicklung nicht nur für die Artenvielfalt und Umwelt höchst brisant sei, betonte Leopold Füreder, Vorsitzender der Naturfreunde Tirol, die Wichtigkeit unversehrter Naturräume auch für den Menschen: „Wir Menschen brauchen eine intakte Natur für unsere körperliche, geistige und seelische Gesundheit. Deshalb ist es unsere gemeinsame Verantwortung, wertvolle Ökosysteme auch für zukünftige Generationen zu erhalten.“ Die Allianz wolle die letzten alpinen Freiräume Österreichs daher nicht unter eine Käseglocke oder ins Museum stecken, sondern dem Menschen zugänglich machen und Ressourcen nachhaltig nutzen. Die Politik müsse geeignete Schutzkonzepte entwickeln, um den Erhalt der Freiräume zu gewährleisten. Insbesondere brauche es aber eine politische Willensbildung, vorhandene Instrumente dann auch anzuwenden.

Grüne warnen vor „umweltpolitischen Gau“

Nach dem Vorstoß der Allianz der Umweltschutzorganisationen meldeten sich auch die Tiroler Grünen zu Wort und warnten in einer Aussendung vor einem „umweltpolitischen Gau“ nach der Tiroler Landtagswahl im Februar 2018. „Es droht ein Rückfall in eine Zeit, in der die Wirtschaft ohne Rücksicht auf die Natur einfach darüber gefahren ist“, sagte der grüne Klubobmann Gebi Mair. Tirol brauche daher die von Naturschutzlandesrätin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) bereits mehrmals geforderte Nachdenkpause und den Dialog mit jenen Organisationen, die der Natur ihre Stimme leihen. (APA)


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