Kammerlander: „Es kann nur schlechter werden“

Als Team-Weltmeister und Gesamtweltcupsieger blickt Thomas Kammerlander auf seine stärkste Saison zurück – am Sonntag greift der Ötztaler im Kühtai an. In jenem Sprint-Format, das olympisch werden soll.

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Am Sonntag greift Thomas Kammerlander wieder im Naturbahnrodel-Weltcup an.
© Leitner

Von Roman Stelzl

Kühtai – Bei elf Grad minus setzt sich Thomas Kammerlander auf seine Rodel. Es ist frühmorgens, die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen rund um das verschneite Kühtai auf über 2000 Metern Seehöhe. Drei Jahre lang hatten sich die Naturbahnrodler eine solche Winterlandschaft zum Weltcup-Auftakt gewünscht. Jetzt ist sie endlich da – eine Welt in Weiß. Und dazu gibt es auch noch eine Bahn, die länger ist als die frühere Parallel-Strecke und die mit dem heuer neuen Sprint-Format auch den Traum von den Olympischen Winterspielen 2022 wahr werden lassen soll.

Und genau da kommt Kammerlander wieder ins Spiel. Der 27-jährige Ötztaler ist Österreichs One-Man-Show, passend dazu im Einsitzer. Sollte in fünf Jahren unter fünf Ringen gefahren werden, dann wird sein Name immer wieder auf der Favoritenliste auftauchen. „Der Sprint-Weltcup erlaubt keine Fehler, da muss man wach sein“, sagt Kammerlander. „Und Naturbahnrodeln bei Olympia, ja, das wäre für uns natürlich eine ganz tolle Geschichte.“ Tolle Geschichten schrieb der gelernte Spenglermeister in der vergangenen Saison zur Genüge. Kammerlander wurde Team-Weltmeister, gewann drei seiner acht Weltcup-Bewerbe, wurde dreimal Zweiter, einmal Dritter. Diese Leistung brachte ihm seinen ersten Sieg im Gesamtweltcup ein – in der Welt des Thomas Kammerlander ist das mit der sportlichen Vollendung gleichzusetzen. Einzig WM-Bronze im Einsitzer hat einen etwas matten Glanz.

Und heuer? „Es kann nur noch schlechter werden“, sagt Kammerlander – und wenn er das sagt, dann schwingt auch ein wenig Stolz mit. Den Triumph im Gesamtweltcup noch einmal zu wiederholen, sei eine Herausforderung – daneben wartet aber „nur“ eine Europameisterschaft. „Da will ich sicher meinen Titel verteidigen“, sagt Kammerlander und überlegt: „Aber mein großes Ziel ist und bleibt der Gesamtweltcup. Da will ich zumindest unter die besten drei. Der Hunger ist groß.“ An der Vorbereitung des ehrgeizigen Athleten hat sich nichts geändert. Frei nach dem Motto „Der Berg ruft“ spulte Kammerlander wie in den vergangenen Jahren wieder jede Menge Hochtouren ab. „Insgesamt sind dabei im Sommer etwa 30.000 Höhenmeter zusammengekommen. Wir waren auf vier Viertausendern.“ Unter anderem auch auf dem Alphubel (4206 Meter), den Kamerlander mit seinem 39-jährigen Bruder Gerald erklommen hat, seines Zeichens Einsitzer-Weltmeister von 2011 und nun Sportdirektor im heimischen Verband.

Thomas Kammerlander mit Bruder Gerald (r.) auf dem Alphubel/4206 m.
© Kammerlander

Und er hofft auf olympische Ehren. „Wir haben uns mit dem Sprint-Format beworben, nicht mit dem Parallel-Rennen“, erklärt Gerald Kammerlander. Der verkürzte Bewerb soll die Türen Richtung Olympia öffnen. Dabei wird klassisch in zwei Durchgängen auf einer kurzen Strecke (ca. 500 Meter) gefahren – vergleichbar mit einer Sprint-Abfahrt im Ski-Weltcup. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich mit einer Delegation angesagt. Fehlt also nur noch ein Erfolg. Für den soll Thomas Kammerlander sorgen.


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