Stichwort - Chinas Maßnahmen zur Regulierung der Finanzmärkte

Hongkong/Berlin (APA/Reuters) - Das Tempo der jüngsten Finanzmarkt-Reformen in China hat die Börsianer in Fernost überrascht. Die Führung de...

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Hongkong/Berlin (APA/Reuters) - Das Tempo der jüngsten Finanzmarkt-Reformen in China hat die Börsianer in Fernost überrascht. Die Führung der Volksrepublik will mit den Maßnahmen die Märkte einerseits stärker für Ausländer öffnen, andererseits Verwerfungen und mögliche Blasen verhindern. Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Regulierungen der vergangenen Wochen.

Kryptowährung

Am 15. September weisen die chinesischen Aufseher in Peking ansässige Anbieter von Kryptowährungen an, den Handel zu beenden und Kunden umgehend darüber zu informieren. Damit sollen die Risiken an dem hochspekulativen Markt eingegrenzt werden. Experten vermuten hinter der Entscheidung den Versuch, eine Lücke zu schließen, die zur Umgehung von Kapitalkontrollen in China genutzt wurde. Weltweit bekanntestes Beispiel für Kryptowährungen ist derzeit Bitcoin.

Schulden

Auf dem Kongress der Kommunistischen Partei Ende Oktober nennt Präsident Xi Jinping die Verschuldung neben Korruption und Umweltverschmutzung als eine der drei größten Risiken für die Stabilität der Volksrepublik. Die Zentralbank des Landes warnt am Rande des Parteikongresses vor einem sogenannten „Minsky-Moment“. Sie spielt damit auf eine nach dem amerikanischen Ökonom Hyman Minsky benannte Theorie an, wonach trotz boomender Wirtschaft eine plötzliche Krise auftreten kann. Der Chef der Bankenaufsicht, Guo Shuqing, kündigt sowohl eine stärkere Öffnung des Marktes für ausländische Banken als auch verschärfte Regeln für den Abbau fauler Kredite an.

Ausländische Beteiligungen

China lockert am 10. November nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Peking die Vorgaben für ausländische Finanzkonzerne, die künftig die Mehrheit an chinesischen Gemeinschaftsunternehmen in der Branche übernehmen dürfen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die schiere Größe des chinesischen Finanzmarktes und die Stärke der etablierten einheimischen Firmen einen umfassenden Investitionsschub aus dem Ausland verhindern.

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Schattenbanken

Die chinesische Zentralbank veröffentlicht am 17. November umfassende Vorgaben für Vermögensmanager, mit denen die Risiken im Bereich der Schattenbanken eingegrenzt werden sollen. Die Aufseher wollen damit Schlupflöcher in der Regulierung schließen und die Möglichkeiten zum Einsatz von Fremdkapital reduzieren. Investoren dürfen demnach ihre Anteile nicht mehr als Sicherheit hinterlegen, um an neues Kapital zu gelangen. Finanzkonzerne dürfen nach dem Willen der Zentralbank den Investoren zudem keine impliziten Garantien mehr geben, dass es nicht zu Verlusten kommen kann. Die Übergangsphase zur Anpassung an die neuen Vorgaben endet am 30. Juni 2019.

Verbindlichkeiten von Staatskonzernen

Staatseigene Konzerne, die nicht als systemrelevant gelten, dürften nach Meinung einiger Analysten in den kommenden Monaten vor neuen Auflagen bei ihrer Finanzierung stehen und zur Restrukturierung von Schulden gezwungen werden. Am 17. November schichtet etwa der Stahlkonzern Chongqing Iron & Steel Verbindlichkeiten von umgerechnet rund fünf Milliarden Euro um.

Kleinstkredite

Eine chinesische Regulierungsbehörde weist die Provinzregierungen am 21. November an, keine Genehmigungen mehr für den Einsatz von Mikro-Krediten zu erteilen, die über das Internet angeboten werden. Die Vorgabe kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung ein strengeres Vorgehen gegen den illegalen Zufluss von Geldmitteln in den Häusermarkt beschließt.


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