55 Jahre Wirtschaftskunde: Sollen Schüler lernen, was eine Aktie ist?

Wien (APA) - Wie viel Wirtschaftsbildung Kinder heutzutage brauchen, war eine der zentralen Fragen auf dem Symposium zum Thema „Wirtschaftli...

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Wien (APA) - Wie viel Wirtschaftsbildung Kinder heutzutage brauchen, war eine der zentralen Fragen auf dem Symposium zum Thema „Wirtschaftliche Allgemeinbildung hat Zukunft: 55 Jahre Geografie und Wirtschaftskunde“ in der Nationalbank am Montag. Ob Schüler lernen sollen, was eine Sparbuch und eine Aktie ist oder eher die groben gesellschaftlichen Zusammenhänge verstehen sollen, darüber herrschte Uneinigkeit.

Zwar wurde das Schulfach Geografie und Wirtschaftskunde vor 55 Jahren als Schulfach eingeführt, trotzdem bewerten viele ihre eigenen wirtschaftlichen Kompetenzen als nicht ausreichend. Was mit Wirtschaftsbildung und wie viel vermittelt werden soll, nahmen Fachdidaktiker und Vertreter von Wirtschaftsinstitutionen in zehn verschieden Workshops genauer unter die Lupe. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen, das Fach Wirtschaft von der Geografie zu entkoppeln und als eigenes Fach einzuführen.

Die Frage, ob man mehr Wirtschaftsbildung brauche, verneint Reinhold Hedtke, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften und Wirtschaftssoziologie an der Universität Bielefeld. „Die meisten Sachen kann ein Mensch sich selber aneignen.“ Wie man ein Sparbuch aufmache, gehöre dazu. Explizit zu erklären, was eine Aktie oder ein Sparbuch ist, sieht der österreichische Lehrplan nicht vor. Im aktuellen Lehrplan wird unter Wirtschaftskompetenz ein Verständnis grundlegender Zusammenhänge in betriebs-, volks- und weltwirtschaftlichen Bereichen verstanden. Zurzeit wird das Fach ab der Unterstufe unterrichtet.

Der Bereichsleiter Bildung & Gesellschaft der Industriellenvereinigung, Christian Friesl, will Wirtschaftsbildung mehr Bedeutung geben. „Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche mündige Wirtschaftsbürger werden.“ Er wünscht sich fächerübergreifendes Lernen. Auch für Markus Marterbauer von der Arbeiterkammer Wien (AK) ist eine gesamtwirtschaftliche sozialpädagogische Perspektive sowie ein kritischer Zugang zum Thema wichtig. „Wir haben keine Sorge, dass die Leute Kapitalisten werden,“ erklärte Marterbauer.

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Als Universitätsprofessor habe er positive Erfahrungen mit Wirtschaftsstudenten gemacht, sagte der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny. Er erklärte, dass die Ressourcen in der Schule begrenzt sind. „Das Ideal eines vollkommenen Humanisten ist schön, aber nicht unbedingt in der Schule zu erreichen“, erklärte der Währungshüter. Allerdings verweist er auf junge Menschen aus sozial schwächeren Familien, „die lernen nicht automatisch wie man mit Geld umgeht.“ So könne Wirtschaftsbildung unter anderem vor persönlicher Überschuldung schützen.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA360 2017-11-28/14:48


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