Die Textur des Fiebertraums

Ein Zeichner, den man sich merken muss: Benjamin Zanon im Kunstraum Innsbruck.

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© Thomas Boehm / TT

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Es wuchert auf Benjamin Zanons Zeichenblättern, aber in einer solch filigranen Zartheit, dass man das Wort am liebsten gleich wieder zurücknehmen möchte. Ist es doch eher so, dass sich hier Gezeichnetes zur ebenso feinen wie präzisen Textur materialisiert, die in konzentrierter Millimeterarbeit mit dem Tuschestift entsteht. Der 1981 in Osttirol geborene Künstler hat als Zeichner eine bemerkenswert individuelle Handschrift entwickelt. Sie entzieht sich der Gegenständlichkeit, ist abstrakte Struktur, die der Meisterschüler von Richard Deacon an der Düsseldorfer Kunstakademie im Zweidimensionalen auslotet.

In Innsbruck, wo Zanon inzwischen lebt und arbeitet, widmet ihm jetzt der Kunstraum eine Einzelausstellung. Es zeigt sich dort schön, wie er auch Schrift in seine Zeichensprache übersetzt, etwa wenn er wie in der jüngsten Ausgabe der Kulturzeitschrift Quart Texte in ein System aus Symbolen umwandelt, die dann zu fiktiven Topografien ausschwärmen. Drei Werkserien im Hauptraum zeigen in Zeichnung übersetzte subjektive Empfindung, die auch aus der Kindheit erinnert sein kann, etwa wenn Zanon das Fiebern in seine zeichnerisch so dicht und delikat gewobenen Formen und Texturen übersetzt. Abstrakt und titellos (wie die Schau insgesamt) bleiben auch Porträts, bei denen man sich mitunter allerdings nicht des Gedankens an eine Aura-Schau erwehren kann.

Noch während der Akademie-Zeit entstanden ist eine große Papierarbeit, die mit rotem und blauem Kugelschreiber in Spiegelschrift mit privaten Erinnerungen beschrieben ist. Das kaum Lesbare verwandelt sich in ein grafisches Bild, das wie die Erinnerung allmählich verblasst. Noch vom Vater, dem 1997 verstorbenen Schriftsteller Christoph Zanon, stammen die Lindenholz-Skulpturen, die der Sohn behutsam weiterbearbeitet hat. Am Freitag, 1. Dezember (19 Uhr), findet im Kunstraum eine Lesung aus Texten von Christoph Zanon statt.


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